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Da landeten wir nun wie beinahe jeden Tag um diese Zeit im Park und zogen unsere Hunde auf. Zuerst standen sie wie versteinert da und im Zustand der vollständigen Aufgezogenheit bewegten sie sich im Park, erregt wie richtige Hunde. Sie tollten rum, bellten aus Leibeskräften, pissten den Zaun an, hechelten, kamen zu Frauchen und Herrchen um zu schmusen. Sie waren einfach absolut herzig zu beobachten. Wie richtige Hunde eben.
Seit die Preise des Hundefutters so drastisch gestiegen sind rentieren sie sich, die aufziehbaren, neuen Hunde. Kaum waren sie in den Läden erhältlich gab es ein Angebot der Stadt, dass man seinen noch lebenden Hund an Sammelstellen abgeben könne um sich ebendort, sozusagen im Tausch, einen Gutschein für eine 50 % Ermäßigung abzuholen. 50 % ermäßigte aufziehbare Hunde, das war doch was. Damit die Leute bereitwilliger ihre Hunde umtauschten, wurden praktisch über Nacht die Steuern auf lebende Hunde um stolze 1000 % erhöht. Seit dem gibt es nicht nur jede Menge aufziehbarer Hunde in den Parks sondern gleich noch viel mehr Hunde die sozusagen schwarz in den Wohnungen vegetieren, sogar die ganz großen.
Freunde von mir besitzen einen riesigen Bernhardiner mit dem sie nun nicht mehr auf die Straße können, weil sie die viele Steuer nicht zu bezahlen imstande sind. Nun liegt er jeden 5. Tag unter so einer Art Hundehöhensonne, die Dinger wurden extra für die armen Hunde produziert die nicht mehr auf die Straße dürfen. Es heißt, damit das Vitamin D gebildet werden kann. Vom Menschen kennen wir das ja auch. Bei Hunden ist es nicht anders. Der riesige Bernhardiner trägt nun eine Art Riesenwindel damit nichts in die Wohnung geht. Vergeblich mühte man sich über viele Wochen mit ihm ab damit er das Kistl annimmt, er wollte es nicht und setzte seine Notdurft mitten ins Wohnzimmer auf den Perser. Der ist mittlerweile vollkommen hinüber und zu nichts mehr zu gebrauchen. Nicht der Bernhardiner, der Perser, soll demnächst mit all seinen Flecken auf ebay vesteigert werden. So als Ding für Fetischleute. Die Riesenwindel akzeptiert er, denn selbst da waren meine Freunde äußerst skeptisch und sahen sich schon in ihren Fantasien darin bestärkt ihm Helium in den Hintern zu jagen und durch das weit geöffnete Wohnzimmerfenster fortfliegen zu lassen. Die Riesenwindel akzeptiert er und damit nichts von dem ganzen Dreck im Fell hängen bleibt, wurde sein gesamtes Gesäß fein säuberlich enthaart. Sie versuchten es mit Veet, haben sie mir erzählt, das wollte er jedoch immer ablecken, soll man aber nicht, denn es ist unbekömmlich, also stiegen sie auf einen Langhaartrimmer um. Damit rasiert sich abwechselnd einer der Hausherren und dann der Hund. Mir wäre das nicht hygienisch genug, aber vermutlich sieht man das als Hundebesitzer anders. Mütter lecken ja auch den Löffel vom Baby ab wo es kurz davor noch so richtig draufspuckte. Die finden ja auch nichts daran und sehen es als ihr eigen Fleisch und Blut, so wie vermutlich diese Hundebesitzer mit dem Langhaarschneider.
Die neuen Aufziehhunde sind praktisch, sagt zumindest jeder. Sie beißen nicht mal und man kann sie in der Sekunde abstellen wenn sie einen nerven. Das konnte man bei den anderen Hunden ja nicht, die nervten so lange bis man sie anschrie und sie sich ängstlich unter dem Sofa verkrochen. Aufziehunde stellt man ab und räumt sie in die Kammer. Da kommen sie erst wieder raus wenn einem nach Hund ist. Klingt doch total praktisch. Ein anderer Freund von mir meinte letzthin man sollte anregen sowas auch mit Partnern zu machen. Aufziehpartner die man auch gleich wieder abstellen kann wenn sie einen zu nerven beginnen. Angeblich gibt es dazu schon vielsagende Forschungsprojekte auf Seiten der Industrie.
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