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Meine Omi meinte immer, meist wenn sie sich auf Reisen begab oder gerade wieder einmal zuhause von einer solchen eingelangt war:
"Wer eine Reise macht, der hat was zu erzählen."
Recht hat sie, vor allem wenn man diese mit den ÖBB unternimmt, dann hat man meist was zu erzählen.
Wer regelmäßig mit dem Zug der ÖBB um 8.57 Uhr vom Wiener Südbahnhof nach Kärnten fährt, noch dazu in der Ersten Klasse, wird sich einem Déjà-vu nicht verschließen können. Es drängt sich einem förmlich auf, immer und immer wieder. Am liebsten würde man nochmals vom Bahnhof nachhause fahren, sich entkleiden, ins Bett legen um meinetwegen am nächsten Tag einen neuerlichen Anlauf zu wagen. Mit dem gleichen niederschlagenden Erfolg, er ist schon wieder da. Der ungarische Erste-Klasse-Waggon. Ich mag Ungarn, die Ungarn und alles was mit diesem Land verbunden ist, nicht jedoch diesen Erste-Klasse-Wagen. Wobei diesmal war er wiederum um Häuser besser als der letzte, der durchgewetzte Sesseln hatte, fleckige Teppichböden und was weiß der Kuckuck was noch - ach ja, amateurhaft zugeklebte Aschenbecher in den Armlehnen. Das Ambiente vom letzten mal war keinesfalls eines der Ersten Klasse und doch musste ein Aufpreis geleistet werden.
Diesmal gab es keine Flecken am Boden, die Sessel waren nicht durchgescheuert, dafür hatte es wieder keine Steckdosen, vermutlich gab es im Jahre der Herstellung des Waggons noch keine Laptops und rasiert wird ausschließlich auf der Toilette, auch in Ungarn. Dafür zog diesmal die "Klimaanlage", die diese Bezeichnung kaum verdient, so unbarmherzig als stünde man am Ufer des Ballatons.
Meine Begleitung kaufte sich vor etlichen Monaten im besagten ungarischen Waggon einen Kaffee, mit dem erschütterndem Ergebnis, dass es sich beim ausgeschenkten Produkt eventuell um das Wasser des Ballaton handelte, denn Kaffee konnte es keinesfalls sein - und nein, Fische schwommen keine im Becher.
Frage an Radio ÖBB: Warum setzen Sie regelmäßig einen ungarischen Erste-Klasse-Waggon auf der Strecke Wien-Villach um 8.57 Uhr ein, der eine knappe Stunde nach Ankunft in Villach wieder retour fährt um vermutlich anschließend nochmals die Strecke in den Süden aufzunehmen.
Zusatzfrage an Radio ÖBB: Warum muss man für einen Waggon einen Aufpreis zahlen, wenn er einem nicht im geringsten an einen Erste-Klasse-Waggon erinnert?
Eine letzte Frage an Radio ÖBB: Ist der Aufpreis womöglich nur für die kosenlosen Zeitungen und Magazine gedacht?
Die Antworten stehen noch aus und werden hier veröffentlicht.
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