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Leben auf Etappen E-Mail

archijack_der_sonne_entgegen_aboutpixel.jpgWie richtet man sich sein Leben am besten ein, wenn es darum geht sommerlichen Außentemperaturen von 36 Grad und mehr so gut wie möglich zu entgehen. Die Antwort ist denkbar einfach, denn es ist absolut unmöglich sich der Tortur zu entziehen. Zumindest ist es mir als Mensch ohne Auto, aber mit Arbeit bisher nicht gelungen von einem klimatisierten Raum zum nächsten zu springen um der Gluthitze zu entgehen.

Selbst mit klimatisiertem Auto und exzellent temperiertem Büro bliebe ich spätestens in unserer Wohnung, mit derzeit 31 Grad, hitzetechnisch gesehen auf der Strecke. Heute wurde ich von einer mehrfach ausgezeichneten Freundin gefragt, ob mich die Hitze „grantig“ mache. Natürlich nicht, „leiden ohne zu klagen“ ist mein versuchtes Motto dieser Tage und wenn ich mir die verzweifelten Gesichter meiner mich umgebenden Mitmenschen betrachte, bin ich sogar gelegentlich verleitet etwas schmunzeln zu müssen. Gerade jetzt wäre es an der Zeit ein Fotoprojekt „Gesicht des Leides“ zu beginnen um bereits im Herbst mit dem Ertrag des Sommers eine erquickliche Ausstellung zu bestreiten. Ich nehme an es wäre ein Renner, denn jeder würde kontrollieren wollen ob er nicht auch von mir oder meinen Scouts fotografiert wurde.


Wo bleibt das Leben auf Etappen? Ich dachte mir, wenn es einem schon nicht möglich ist, sich in permanent klimatisierter Umgebung zu befinden, ist eben geraten in besagten Etappen zu leben. Hitze, Abkühlung, Hitze, Abkühlung. In der Arbeit ist man gnädig und stellt uns wundervoll funktionierende Klimageräte zur Verfügung, die kühle Luft von sich geben was das Zeug hält. Auf der Fahrt nachhause sitze ich zwar in einem Bus mit gefühlten 50 Grad aber das tut nichts weiter zur Sache, denn zuhause sind es nur noch erwähnte 31 Grad. Am Weg zum Bahnhof sind es dann nochmals mindestens 42 Grad, ich schleppe mich nach dem Fahrkartenkauf mit dem Einsatz meiner letzten Energiereserven in die komfortable ÖBB-Lounge und tanke dort bei, erraten (!) wohl gekühlter Luft wieder neue Kräfte. Fünf Minuten vor Abfahrt nach Payerbach-Reichenau besteige ich den Zug um anfangs in der Hitze zu schmoren bis ich mich beim Schaffner erkundige, ob es keine Klimaanlage gäbe. Gut, diese war defekt, aber der freundlich, verschwitzte ÖBB-Mann versprach mir ab den nächsten Waggons wohl temperierte Luft. Diese suchte ich dann natürlich umgehend auf, um einen Mann, rechts, mir gegenüber darauf aufmerksam zu machen, dass ihm an seiner Unterlippe etwas weißes, bröseliges klebe. Ich wollte es weghaben, ansonsten hätte ich immer wieder und immer wieder hinsehen müssen und damit wäre es mir unmöglich gewesen diese Zeilen zu schreiben. Es waren übrigens Bananenreste, aber das wollte ich gar nicht wissen.


Wie lässt es sich verhindern, dass man Menschen, die einem in der Bahn gegenüber sitzen, immer anstarren muss? Ich bin ja von Haus aus ein voyeuristisch veranlagter Mensch und daher zum Schauen verurteilt, ob ich es möchte oder nicht. Mir ist nur ein einziges Mittel dagegen eingefallen, mich tot oder zumindest schlafend zu stellen. Meist wird mir das jedoch durch meine eben erwähnte Veranlagung absolut verunmöglicht.


Ich dachte bisher schon alle Klingeltöne gehört zu haben. Der heutige absolute Höhepunkt diesbezüglich war Nick P. & DJ Ötzi „Ein Stern, der deinen Namen trägt.“ Ich musste die Frau, links, mir gegenüber amüsiert anschmunzeln, mit dem Ergebnis, dass sie mich nur kurz ansah und einfach ignorierte. Vermutlich dachte sie, die Hitze des Sommers würde meine Hormone ordentlich aufkochen und ich würde mit ihr flirten wollen. Will niemand mehr unverbindlich schmunzeln, oder ist es einfach zu heiß dafür?


Jetzt schläft sie und ich hätte die zeitvertreibende Möglichkeit ihre Sommersprossen zu zählen, davon hat sie nämlich so viele, wie andere Leute Schuppen.