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Es gibt Dinge die vergisst man sei ganzes Leben lang nicht. Sie sind immer wieder abrufbar, in Worten, Bildern und lebhaften Erinnerungen, ganz so, als wäre es erst gestern geschehen. Der erste Kuss zum Beispiel. Wann erhielt ich den ersten romantischen Kuss oder wann gab ich ihn.
Aber auch Trennungen jeder Art brennen sich einem ein und machen nachdenklich, sobald man sie für sich wieder abruft. Wie Schatten auf einem in die Jahre gekommenen Bildschirm, lassen sie sich nicht wieder fortwischen. Wenn man als Kind von einer geliebten Person gegen beider Willen getrennt wird und sich viele tausend Kilometer wieder finden muss. Erlebnisse die einfach da sind und nicht mehr vergessen werden. Oder das erste Unwetter, als die Kanaldeckel dem Druck von unten nicht mehr Stand hielten und nach oben gepresst wurden, der Hagel alles rundherum verwüstete und Zentimeter hoch auf den Straßen lag. Die verhärmten und ungläubigen Gesichter der Geschädigten, die immer wieder mit dem Kopf schütteln und diesen Wetterspuk einfach nicht glauben können.
Der erste Flug mit einem Segelflugzeug, der ausgerechnet in einem extremen Kunstflug endete. Wo einem kurz davor der Pilot erzählte, dass er in diesem Jahr überraschend selten zum Fliegen gekommen, weil seine Tochter schwer erkrankt ist. Meine mit diesen, seinen Erzählungen verbundene Furcht ob alles gut gehen wird.
Das erste Mal am Empire State Building. Unten ganz klein die vielen Yellow Cabs, dumpfes Hupen, hastig gehende Passanten. Wind und Flugzeuge, Dachgärten, fotografierende Touristen, freche spuckende Kinder, Tourguides. "Oh! Calcutta!" ein Nude-Musical am Broadway, für FKK-Anhänger. Ein merkwürdiges Gefühl in einer der vordersten Reihen angezogen zu sitzen und auf nackte Schauspieler zu blicken, die einen hin und wieder mit ihren Blicken in ihren Texten streifen und dabei leicht verunsichern.
Weihnachten im Swimmingpool in Florida. Zuhause wird gefroren, in Florida bei knappen 28 Grad vieles genossen. Frohe Weihnachten!
Das erste Begräbnis als Ministrant. Trauernde Angehörige, getragene Ansprachen, Tränen. Zum Schluss wird mit kleinen Schäufelchen Erde auf den Sarg geworfen. Eine merkwürdige Art Abschied zu nehmen, kein Wunder, dass es immer öfter Blumen, meist Rosen sind, die anstelle der Erde in das Grab geworfen werden. Rosen fallen in aller Stille und ihre Aussagekraft ist eine schönere. So ändern sich die Zeiten, alles wird überdacht, exklusiver, schöner und angenehmer. Gut, beinahe alles.
Der Kuss von einer Frau, die trotz eines Altersunterschiedes von vielen Jahren meinte sie wurde gekonnt verführt. Der Kuss von einem Mann der verführen wollte und es schließlich durfte.
Lauter Geschehnisse die zum allerersten Mal passierten und nie vergessen werden. Sie sind einfach da und werden, so man will, wieder gesehen.
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