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Bei meiner Studie evangelische Vespa versus katholische Mette, entpuppte sich die evangelische Version als äußerst unterhaltsam, während die am Eingangsbereich der katholischen Kirche übergebene Geissel für die freiwillige Autogeisselung während der Messe in weiterer Folge wenig unterhaltsam, aber umso schmerzhafter war.
Die evangelische Vespa in Naßwald wurde von einem nahezu immer lächelnden Pastor zelebriert der mich entfernt an Fräulein Prüsselius, die strebsame Erzieherin von Pippi Langstrumpf, erinnerte. Es gab einen Zitherspieler, zwei Jagdhornbläser, ein Mädchen am vielsagenden Beginn ihres Querflötenstudiums und ein unterhaltsames Krippenspiel für all jene, die der Weihnachtsgeschichte des Pastors nicht folgen konnten, wie er anschließend betonte und dies merkwürdigerweise lediglich auf die anwesenden Kinderlein bezog.
Es wurde gesungen was das Zeug hält und jeder von uns hatte für kurze Zeit den Eindruck tatsächlich musikalisch zu sein. Um nicht weiter aufzufallen, reduzierte ich mein flatterhaftes Stimmvolumen auf weit unter Flüsterlautstärke, denn es sollte sich niemand vor den Kopf gestoßen fühlen, falls er zum für mich vollkommen nachvolliehbaren Ergäbnis käme, weitaus schlechter zu singen als ich es tat. Fräulein Prüsselius stammt aus Deutschland und dementsprechend witzig klang es, als er sich am Ende der Mette unter anderem bei einem "Ferl" bedankte, den der katholische Priester markig als "Ferdl" ausgesprochen hätte. Für die Kollekte erbat er sich Großzügigkeit, um die zum Sprengel gehörende Kapelle besteigen zu lassen. Damit war ganz und gar kein sexueller Gewaltakt, sondern vielmehr eine Renovierung des Kapellen-Daches gemeint. Ich führte besagtem Körbchen mein gesamtes Kleingeld zu und beteiligte mich mit einem Betrag unter dem einer Kinokarte. Die Mette dauerte schließlich auch nur 25 Minuten. Am Ausgang wurde mir später von Fräulein Prüsselius "Frohe Weihnachten" gewünscht, ich erwiderte und setzte nach, dass es ein Vergnügen war dem Pastor zuzuhören. Die Antwort gab allerdings wieder das strebsame Fräulein, es kicherte und zog die Schultern dabei hoch.
Zwei Stunden später ging es zu den Katholiken. Die Mette verfolgte ich erstmals vom Chor. Nicht weil ich sang, musizierte oder sonst was im Sinne hatte, nein, ich war unauffälliger Begleiter und somit priviligierter Zuseher und Zuhörer, umgeben von zahlreichen Geigern, Kontrabassisten, Sängern und einem Organisten. Meine Aufgabe begann und endete damit, in Würde weiterhin zu frieren und dabei zu ergründen ob es sich beim Organisten und Chorleiter um ein und die selbe Person handelte, auch wenn sie immer wieder, wie von Geisterhand, in der Lage waren sich von einander abzuspalten um ihr eigenes Ding zu machen.
Bei den Katholiken ging es bedingt durch die fortwährende Autogeisselung naturgemäß äußerst ernst zu. Mein Rücken schmerzte durch die Schläge, als angenehmer Nebeneffekt, er soll nicht unerwähnt bleiben, floss angenehme Wärme durch den Körper. Ich hörte zum wiederholten Male "Stille Nacht" und zog es vor durch die anwesenden Sänger meine Stimme erst gar nicht zu erheben. Es genügt oft von einer Blöße zu wissen, um sich ihrer nicht erst auszusetzen. Der Priester war das Gegenteil von seinem evangelischen Pendant, er war sehr alt, sehr gebeugt, sichtlich leidend, aber trotz allem sehr nett und konzentriert. Wie im letzten Jahr wurde in den Dankesworten am Ende der Mette die Stadt Wien ausdrücklich erwähnt, denn die stadteigenen Förster lieferten wieder zeitgerecht riesige Christbäume als unübersehbaren, weihnachtlichen Kirchenschmuck. Wie im letzten Jahr, hat man allerdings auf den Behang der Bäume vollkommen vergessen. Wer glaubt die Geissel wäre ein Geschenk der Pfarre, der irrt, sie musste am Ende der Mette einem der erwartungsvollen Ministranten zurückgebracht werden. Sie werden selbstverständlich gereinigt, neu geweiht und zum nächsten Hochamt wieder verwendet.
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