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Es heißt man soll nicht von oben herab blicken, vielmehr solle man mit seinem Gegenüber eine gemeinsame Ebene finden. Dabei ist es gelegentlich vielleicht doch von Vorteil diese gemeinsame Ebene erst gar nicht einzunehmen um sich die Darbietung in Ruhe von oben, mit würdigem Abstand, anzusehen.
Da unten sitzen Konsorten aller Parlamentsparteien, deren Mitarbeiter, weiters Mitarbeiter des Parlaments, die Parlamentspräsidentin und viele andere. Ein Blick von der Besuchergalerie des Hohen Hauses führt einem die Parlamentiarier Österreichs vor und lässt sie von oben den Püppchen einer Puppenstube gleich kommen. Nur letztere benehmen sich vermutlich weitaus besser.
Es wird Geschäftigkeit vorgetäuscht, dem aktuellen Redner derb ins Wort gefallen, Zeitung gelesen, geschwätzt, telefoniert, mitunter geschlafen, demonstrativ geklatscht oder via Laptop mal rasch ein Blog ins Netz gesetzt. Die RednerInnen sprechen entweder absolut frei, lesen vom Blatt oder spulen ihre 5 bis 10 Minuten auswendig ab. "Der Herrgott hat einen großen Tiergarten." hat meine Großmutter immer gesagt, dabei bin ich mir absolut sicher, hat sie den im Parlament nie gesehen.
"Gesprächskultur" dürfte den meisten Politikern so fremd sein wie dem typischen Augustin-Verkäufer plötzlicher Reichtum. Es geht zu wie in einer zweitklassigen Bierstube und nachdem der Zustand ein offensichtlich üblicher ist, schreitet die Präsidentin nicht ein um den einen oder andern Unhold mit ihrer wuchtigen Glocke zu erschlagen. Dabei wäre dies eine Steuerersparnis ersten Ranges und man müsste ihr nach vollzogener Tag das Goldene Verdienstkreuz am Bande nach Schwarzenau schicken. Ich nehme wohl berechtigt an, dass die Immunität keineswegs beim Erschlagen von Parlamentariern schützt.
Eigentlich sollte es von den Landesschulratspräsidenten Österreichs verboten werden unschuldige Jugendliche, über den Unterricht, ins Parlament führen zu lassen um sich dieses dramatische Szenario unter dem hoffnungsvollen Titel "politische Bildung" anzusehen. Was soll aus unseren Jugendlichen jemals werden, wenn sie sehen wie sich die vermeintliche Elite des Landes im Hohen Haus benimmt.
Und noch ein Spruch fiel mir im Verlauf meines Besuchs da oben ein, ich las ihn vor einigen Monaten:
"Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich jetzt kotzen wollte."
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