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Noch 16 Zähler E-Mail

photocase_de_french_03_45tcn6522.jpgUngewollte Kontakte mit diversen Ämtern sorgen immer für Gesprächsstoff und wenn es halbwegs gut läuft sogar für ein wenig Erheiterung. Dabei stellt sich die Frage, ob die Wiener Stadtwerke überhaupt als ein "Amt" bezeichnet werden können oder nicht. Von der Behäbigkeit mancher Benachrichtigung ausgehend, vermutlich ja.

"Am 30.1. wird in der Zeit zwischen 7.30 Uhr und 11.30 Uhr Ihr Stromzähler gegen einen neu geeichten Zähler ausgetauscht. Sie werden um Anwesenheit gebeten, sollten Sie nicht anzutreffen sein, wird Ihnen für den nächsten Termin eine Aufwandpauschale in Höhe von € 38,- verrechnet. Weiter werden Sie gebeten alle Verbauten um den Zähler zu beseitigen und für einen freien Zugang zu sorgen." - So ähnlich hieß es in dem Schreiben. Dazu wurde eine kostenlose Hotline feilgeboten, an die man sich zur eventuellen Eingrenzung des Termins wenden konnte. - Das wurde letztendlich auch am Tag vor dem Besuch getan. Der Mitarbeiter würde zwischen 7.30 Uhr und 9.00 Uhr erscheinen, hieß es von einer bezaubernd freundlichen jüngeren Frau. Also vielleicht doch kein Amt? Denn in Ämtern ist es in der Regel keinesfalls freundlich. Vielleicht ein ausgelagertes Call-Center. Die junge Frau wird ob ihrer Freundlichkeit gelobt und sie entgegnet, dass es ja nicht mehr so ist wie früher ...    Aha, wir leben also in einer guten Zeit.

Um 7.30 Uhr stand der familieneigene Instandsetzungstrupp vor der Wohnungstüre, der die Mühe von zweimal 80 km auf sich nahm um den Kasten wieder zusammen zu setzen, der am Tag zuvor von einer fachunkundigen, aber durchaus bemühten Person (es handelt sich um den Inhaber dieser Homepage) im Zuge der Vorbereitung auf den Termin der Wiener Stadtwerke, etwas ramponiert wurde. Nach zwei Stunden Gespräche über dies und das, erschien der Stromzähleraustauscher. Offensichtlich werden dazu ausschließlich verdiente Mitarbeiter, wenige Momente vor der Pension, herangezogen. Man hatte zwar die Möglichkeit sich den Termin eingrenzen zu lassen, aber es wurde nicht hinterfragt wie denn der Mitarbeiter beschaffen sein soll. Tja ...  Etwas knuspriger wäre noch schöner.

Dieser Herr sah äußerst griesgrämig aus, hatte eine, an eine Eule erinnernde Hakennase und graues zusammengeklebtes Haar. Wie wir später feststellen sollten, war es der körpereigene Talg, der für das Zusammenkleben und für dementsprechend olfaktorische Aufdringlichkeit sorgte. Man konnte sich den Mitarbeiter ja nicht aussuchen.

Wir machten darauf aufmerksam, dass wir eventuell den Zählerkasten, der im Kleiderkasten integriert ist, noch etwas ausschneiden müssen und ob er sich nicht kurz hinsetzen möge.

"Heans wos glaubens, ich hob jo noch 16 weitere Zähler auszutauschen. I hob ka Zeit zum sitzen." Der Ton war ein griesgrämiger, die Nase wanderte zur Betonung seiner Unpässlichkeit noch einige Stückchen nach unten.

Wir beschwichtigten ihn und versicherten, dass es höchstens ein Aufwand von wenigen Minuten sei und er keinesfalls wieder gehen müsse. Der gute Mann tat nämlich so als würder er die Wohnung soeben verlassen wollen.

Also nahm er doch kurz Platz, und wartete die wenigen Minuten der Erweiterung ab. Der Rest war unaufwändig und der Zähler rasch getauscht.

Anschließend konnte der Kasten wieder geflickt werden und es war eine wahre Freude einem Menschen der was von seiner Arbeit versteht bei der selben zuzusehen.

Nun, sind die Wiener Stadtwerke jetzt ein Amt oder doch nicht?