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In der Zeit des Kalten Krieges hieß es immer, im Falle eines atomaren Krieges würden einzig die Kakerlaken überleben. An und für sich ein trostloses Bild, denn diese gehören ja nicht gerade zu den schönsten Geschöpfen dieser Erde. Und ich hatte nie vor mit Kakerlaken zu beginnen, aber nachdem ich bei "aboutpixel.de" über dieses Bild stolperte, konnte ich nicht anders und musste das Tier textmäßig unterbringen. Den nachfolgenden Text weiterzulesen ist gefahrlos, naja, zumindest ist er gänzlich ohne Kakerlaken.
Die uns versprochenen Feuersalamander bei Regen blieben aus, obwohl es regnete. Aber alles der Reihe nach. Ein um 199,- Euro gekauftes Wochenende in Graz sorgte für die Einsicht, dass Graz, obwohl die zweitgrößte Stadt Österreichs, um vieles ruhiger ist als Wien. Wenn man die Einwohneranzahl heranzieht, ist es auch vollkommen klar, dass es ruhiger und geordneter zugehen müsse. Graz hat gerade einmal 220.000 Einwohner und ein Einzugsgebiet von nochmals über 130.000 Einwohnern. Wien im Vergleich müht sich mit 1,8 Millionen Einwohnern ab, vom Einzugsgebiet wollen wir erst garnicht sprechen. Obwohl die Straßenbahnen wesentlich weniger Personen zu transportieren haben, sind die FahrerInnen mindestens so schnippisch wie in Wien. Offensichtlich eine Frage des Berufsstandes und natürlich, Ausnahmen bestätigen die Regel. Den Ausnahmekontakt hatte ich allerdings in diesem Fall nicht. In Wien nehmen die FahrerInnen das Geld in die Hand. In Graz muss man es auf den "Geldtresen" legen, sofern man das weiß. Weiß man es nicht, wird man mit einem "da hin, wohin denn sonst" sanft darauf aufmerksam gemacht, dass man an und für sich für ziemlich doof gehalten wird, weil man nicht mal weiß, wohin man sein Fahrgeld zu legen hat.
An einem der Tage gab es ein Freizeitprogramm, dazu mussten wir von Graz nach Feldbach fahren. Dort gab es einen Umstieg auf die Steiermärkischen Landesbahnen und als wir den elektrischen Triebwagen sahen, dachten wir automatisch an einen schrumpeligen Nostalgiezug. Wenige Minuten später wurden wir aufgeklärt, dass es sich um einen "Regelzug" handelte, also einen Linienzug und ja, die sehen auf dieser Nebenstrecke eben so aus. Nur aus diesem Grund und ob der Strecke, wird der Zug von der Bevölkerung liebevoll "Dschungelexpress" genannt. Einen "Flascherlzug" gäbe es auch noch, aber das wäre eine andere Geschichte. Von Feldbach ging es via "Dschungelexpress" nach Trautmannsdorf. Dazwischen lagen einige Geschichten aus der Umgebung und vieles mehr. Auch ein Gläschen Apfelwein. Auf der Strecke liegen unter anderem 42 % Steigung und mindestens ebensoviel Gefälle, viel Wackelei und einige Bahnhöfe die aussahen, als stünden sie seit zweitausend Jahren an genau dieser Strecke.
In Trautmannsdorf ging es über Stock und Stein zur Familie Rauch. Eine sehr emsige Fleischhauer-Familie mit einer Schweinezucht und ausgezeichneten Produkten. Man darf nur nicht zuviel davon essen, sonst sähe man vermutlich genau so rund und gsund aus wie die Familienmitglieder der Rauchs. Wir konnten troztdem nicht umhin und kauften Schweineschmalz in Gläsern mit den Sorten "Tomaten & Chilli", "Petersilie & Lemone" und "Tomaten & Paprika", dazu eine feine Rohwurst. Und weil die Produkte auf die Marke "Johann" getauft wurden, mussten wir in ein Foto unserer Reiseleiterin auf mein Anraten hin nicht "Cheese" sondern "Johann" sagen. - Das sorgte für allgemeines Gelächter und ich bin überzeugt, das Foto war eines der fröhlichsten der vergangenen Monate.
Vor der Fahrt zurück nach Feldbach gab es unter anderem noch eine Wein-, Most- und Käseverkostung. Der Wein kam von einer absolut unterhaltsamen, Frau Leitgeb, die uns vorher den neu errichteten Betrieb zeigte. Der Most- und Apfelwein kam von der etwas ruhigeren Frau Haas und der exquisite Käse vom kleinen Wurzinger. Die teilnehmenden Betriebe waren sichtlich bemüht, ihre Ware unters Volk zu bringen. Zum Schmalz und der Wurst gesellten sich noch zwei Sackln Walnüsse, eine Flasche Apfel-Frizzante halbtrocken und zwei Äpfel. Letztere waren ein Geschenk.
Kann man noch getrost Wein trinken? Je öfter ich Weinbaubetriebe besuche, umso unsicherer werde ich darin. Wenn ich höre, dass in den USA bereits Betriebe existieren, die Wein ohne Weintrauben produzieren. Das schwache Weingesetz ermöglicht es. Oder in Australien in Farbe und Geschmack mit Chemie und Holzschnitzeln, sogenannten Oakchips, aufgebessert wird. Aber auch, wenn ich höre, dass bei uns zum Abschluss noch ein bisschen Schwefel in den Wein kommt. Vermutlich der Haltbarkeit wegen. Erwischt man zuviel Schwefel, dann ist es der typische Kopfwehwein. - Erzählt uns Frau Leitgeb.
Zurück ging es wieder mit der vermeintlichen Museumsbahn und die Steiermärkischen Landesbahnen machen es möglich, einige dürfen sogar beim Fahrer stehen und sich mit ihm über sein Gefährt unterhalten. Dazwischen begegnet man einem Fasan, der es gerade noch über die Gleise schafft, einem Reh, das müde die Böschung heraufblickt und einem Theaterzug in dem gerade nach dem Mörder gesucht wird.
Omi sagte schon immer: "Wenn jemand eine Reise macht, der hat was zu erzählen."
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