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Also gut dann, auf Wiedersehen E-Mail

photocase_de_hessenjense_4bbfpuh92.jpgEin viel versprechender Beginn. Sie, eine junge selbstbewusste Frau aus Somalien, traumatisiert, weil im Bürgerkrieg eine ordentliche Menge Familie verloren. Er, ein interessierter Mann mittleren Alters auf der Suche nach dem Guten auf der Welt. Er wird ihr Pate und deklariert sich von Anfang an von oben bis unten und zurück. Wie es sich eben für eine ordentliche Patenschaft gehört. 

Sie, eine tiefreligiöse Muslima. In manchen Gegenden dieser Welt ist diese Religion, Hunger, Einsamkeit, Entbehrungen verdrängende Einheit, die einem glauben lässt später für alles fürstlich entlohnt zu werden. Wenn ich mich mit diesem Gürtel da in die Luft sprenge und eine Handvoll unschuldiger Menschen mit mir nehme, dann erwarten mich im Himmel mindestens 40 unschuldige Jungfrauen. Egal ob ich sie zu bedienen in der Lage sein werde oder nicht, sie werden auf mich warten und Lobpreisungen auf mein Heldentum anstimmen. So oder so ähnlich soll es sein.

Sie, wird im neuen Land diskriminiert weil sie schwarz ist. Er, wird nicht oft aber doch, diskriminiert weil er gleichgeschlechtlich veranlagt, schwul ist. Also ein Paar mit Gemeinsamkeiten. - Möchte man meinen. Das erste Treffen verläuft wohlwollend, das zweite Treffen erfolgreich. Auf Grund von Missverständnissen ist er gezwungen bei ihr klar zu stellen, dass seine von ihr vermutete Freundin ein Freund ist.

"Eine Frau ist besser!"

wirft sie ihm entgegen und nimmt sich im Gespräch zurück. Und doch vereinbart sie mit ihm ein neuerliches Treffen. Er denkt sich noch: "Schwindet die gemeinsame Basis?", verwirft seine Gedanken und fährt fort, möchte sie eine Woche später wieder sehen. Sie zeigt Ungeduld und möchte ihn eine halbe Woche später wieder sehen. Er willigt ein. Verabschiedung.

Eine Woche später erfährt er von dritten, dass sie ihn nicht mehr wieder sehen möchte, weil sie seine sexuelle Einstellung mit ihrem Glauben nicht zu vereinbaren versteht. Lieber allein in einem fremden Land als mit einem Mann Freizeit zu verbringen, der sich zu Männern hingezogen fühlt.

Er schüttelt den Kopf und fühlt sich erstmals seit langer Zeit wieder persönlich diskriminiert.