Noch immer gibt es Situationen in meinem Leben in denen ich am liebsten auf der Stelle im Boden versinken würde, wenn ich nicht die Vermutung hätte, beim Sturz in den nächsten Stock Schaden zu erleiden und daher doch lieber meist mit beiden Beinen in der jeweils schrecklichen Situation verhaften bleibe.
Heute gab es wieder so eine Begebenheit, in der ich mir klammheimlich wünschte, der Boden unter mir täte sich auf und ließe mich an einen besseren Ort teleportieren. Ich befand mich zu Mittag in der Kantine und bestellte mir beim Koch "Gratinierten Karfiol mit Petersielerdäpfeln". Den bekam ich auch und nachdem unsere Köche meist nur lieblos und nicht minder einfallslos mit Salz würzen, ging ich zur Salatbar und nahm mir dort die riesige Pfeffermühle, um das Gemüse noch etwas aufzupeppen, denn Pfeffer finde ich gut. Nach Gebrauch stellte ich die Mühle zurück, alles von der falschen Seite, weil ich zu bequem war um die Salatbar herumzugehen. Die Mühle kippte um und warf aufgrund ihres Volumens noch zwei große Essig- und Ölflaschen um. Eine davon fiel mit irrem Getöse auf den Boden, brach in mindestens dreitausend Teile und ihr Inhalt ergoss sich über die Fliesen.
Jeder, wirklich jeder in der Kantine blickte auf mich, nicht, dass ich es überprüft hätte, aber es war mir vollkommen klar, dass es so sein musste. Denn wenn selbiges jemanden anderen in der Vergangenheit passierte, tat ich selbiges und erfreute mich am Laien-Theater, jeder reagierte bisher anders. Ich wiederum blickte zu den Kantinenmitarbeiterinnen, zog entschuldigend die Achseln hoch und setzte ein lautstarkes ENTSCHULDIGUNG nach. Gleichzeitig wurde ich nicht nur rot, sondern dunkelrot und fühlte förmlich durch den Überdruck in meinem Kopf mein Blut aus den Ohren spritzen, womit ich neuerlich auffiel, denn wer schätzt schon zwar frisches, aber immerhin Blut, auf dem Salat. Zum Glück tat sich dann doch noch der Boden unter mir auf, ich fiel einen Stock tiefer, direkt in das Büro eines Kollegen und hatte dort, nach einer gemurmelten Entschuldigung die Gelegenheit, ohne viel Aufsehen mein Essen zu mir zu nehmen.
Von besagten Kantinenmitarbeiterinnen bekam ich übrigens reichlich Trost gespendet, denn sie meinten, es könne jedem passieren. Sehr trostvoll und ermutigend wieder zu kommen. Eines ist bereits jetzt gewiss. Ich werde für den Juli, vor feixendem Publikum, den allmonatlichen Peinlichkeitspreis der Kantine erhalten.
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