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Nur noch ein paar Tage E-Mail
photocase_de_binski_717631342.jpgNur noch ein paar Tage, dann verlässt mein geschätzter Gärtnerkollege unseren gemeinsamen Garten und heuert zwar gleich ums Eck an, aber deutlich außer Ruf- und Sichtweite. Es wird an uns liegen uns regelmäßig eine der Brieftauben zu schicken um Neuigkeiten auszutauschen. Wobei ich gerade dabei bin einen Falken zu trainieren. - Das wird eine Überraschung, denn der ist luxuriöser und wesentlich schneller.

 

5 Jahre hatten wir nun gemeinsame Arbeit geleistet. Jeder in seinem Bereich. Ich überlegte mir wie das Gemüse am besten ausgebracht werden könnte und übernahm ob meines nicht unbemerkt gebliebenen grünen Daumens die Pflege des Gemüses. Er wiederum nahm mit unseren vielen Abnehmern Kontakt auf und verjuxte die Produkte zu guten Preisen. Dazwischen machte ich etwas Werbung und überzeugte unsere Kunden davon, dass unser Gemüse das beste sei. Und er wusste immer auf das Stück genau was wir noch auf Vorrat hatten oder wie das Konjunkturbarometer stand und wie die Nachfrage der kommenden Monate einzuschätzen wäre. Ein Genie eben.

Und nun soll alles anders werden. Ich soll anbauen, Kontakt mit den Abnehmern halten, Produkte verjuxen, Werbung machen und vieles mehr. Es wird schon alles gehen. Wer allerdings in Zukunft die Maulwürfe vertreibt, ist mir ein immer größer werdendes Rätsel. Irgendwann werden die Karotten und Kohlrabi im Erdboden versinken und die Maulwurfkolonie wird frech aus ihren Löchern grinsen, wenn nicht sogar nach uns spucken. Aber ja, ich werde das schon machen. Was wir ganz früher zu viert machten, geht jetzt zu eineinhalbt oder so. Mit wesentlich weniger jedenfalls. Aber eines stelle ich gleich fest, Samstags bade ich keine Regenwürmer mehr. Die sollen zusehen von wem sie gebadet werden, von mir nicht, schließlich kann ich mich nicht zerteilen.

Wie war das unbedarfte Gärtnerleben in früheren Tagen schön. Wir hatten keine Sorgen, alles wuchs beinahe von allein, ein bisschen zupfen hier, ein bisschen dort, es war eine richitge Freude. Mit den Jahren veränderten sich die Gegebenheiten radikal. Zuerst unmerklich und dann immer klarer und gewöhnungsbedürftiger. Zwischendurch wurden wir angehalten im Kopfstand das Unkraut zu jäten. Und auch das brachten wir auf die Reihe, obwohl es anfangs nicht so einfach war die korrekte Zupfrichtung zu bestimmen. Nicht einmal stopften wir, anstatt zu zupfen.

Nun ist es so weit. Der mir lieb gewonnene Gärtnerkollege wird in wenigen Tagen unseren gemeinsamen Garten verlassen, an einem luxuriösen grünen Plätzchen weitermachen und von dort aus die neue Generation Karotten unters Volk bringen. Zum Glück haben wir die Brieftauben... und sehr bald einen Falken.