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An Tagen wie diesen, muss ich immer wieder an die vielen Menschen denken, die so sehr sonnenhungrig sind, dass sie an so entsetzlich grauen, regnerischen und daher sonnenlosen Tagen besonders mit ihrem Dasein hadern.
Ihnen ist es offensichtlich unmöglich sich die Sonne aus ihrem Innersten zu holen und davon zu zehren. Ich kenne Personen die so sehr im Herbst zu vegetieren beginnen, dass sie sich des öfteren für Tage in ihren Wohnungen einschließen. Bevorratet mit einer Menge Wein und wenig zu essen, fristen sie dort, in ihren Nestern ihr Dasein und warten bis sie wieder kommt, die Sonne. Kommt sie nicht, bleiben sie in ihren Nestern und trinken weiter. Bestenfalls kommt eines Tages eine Maus vorbei, blickt sie scheu an und verkriecht sich wieder hinter einem der Kästen.
Steht man vor den Türen der Verzweifelten, klopft und ruft nach ihnen, hört man nur ein verzagtes, "es geht mir den Umständen entsprechend gut, geh bitte wieder und komme ein andermal wieder, am besten, wenn die Sonne lacht. Dann werde ich dir die Türe wieder öffnen können. Davor nochmals zu kommen hat keinen Sinn. Bitte habe Verständnis."
Es soll ja Täler geben die so sehr schattig liegen, dass die Gemeinden auf den umliegenden Gipfeln große Spiegel installieren und damit Sonne ins Tal lenken. Eine großartige Idee. Wie aber können wir an grauen Herbsttagen Sonne in die Wohnungen der Verzweifelten lenken? Es scheint ein Ding der Unmöglichkeit zu sein hier anzusetzen, solange die Türen und Herzen der Geschundenen Seelen verschlossen bleiben.
Auf der Suche nach ihrem verschollenen Ich sitzen sie in ihren Wohnungen und zählen jeden einzelnen Riss in der Wand, jedes einzelne Staubkorn am Parkett und gäbe es noch den Sendeschluss nach der Bundeshymne, würden sie für Stunden die sich schnell bewegenden Ameisen im Sendeschluss zählen. Irgendwann würden sie im Suff umkippen und für den Rest der Nacht einschlafen, um am nächsten Vormittag den Faden erneut aufzunehmen, den sie in der Nacht zuvor verloren hatten.
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