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Von Wortlawinen |
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Kann das Leben nicht extrem gemein sein? Ein Blog ist beinahe fertig, der PC bildet sich ein verrückt spielen zu müssen, schließt das gesamte Arbeitsfeld und lässt den eben erstellten, aber lange nicht fertigen Text auf nimmer Wiedersehen verschwinden. Auf Wiedersehen! Schnüff ...
Aber darüber wollte ich nicht schreiben. Vielmehr darüber, dass uns manchmal Menschen umgeben die schneller sprechen als unsereins in der Lage ist mitzudenken. Wenn ich unsereins schreibe, tu ich das nur zur Aufrechterhaltung meines Egos, in Wirklichkeit geht es ja doch um mich und meine heutigen Wortlawinen.
Eine von mindestens zwei Wortlawinenspenderinnen war Gerda Rogers, die in Österreich wahnsinnig berühmte Star-Astrologin.
"Grüß Gott Herr Beck, hier spricht Gerda Rogers. Sie Herr Beck, ich bin am Mittwoch im Volksgarten bei einer Veranstaltung von Uschi Fellner und von Österreich, der Tageszeitung. Die Uschi gibt mir die Möglichkeit das Buch groß zu präsentieren und ich werde von einer Moderatorin interviewt. Das ist eine ganz tolle Chance das Buch wieder vorzustellen. Wissen Sie Herr Beck, gut wäre es, wenn wir einen Verkaufstisch hätten wo das Buch angeboten wird, denn da geht es eine ganze Weile wirklich nur um mich und das neue Buch und das müssen wir ja nützen, meinen Sie nicht?"
Ich fand die Idee von Gerda Rogers hervorragend und versicherte ihr, dass ich den Verlagsagenten, Herrn Wanzenböck, ich vermute bereits seit geraumer Zeit, dass es sich bei diesem Namen um kein Pseudonym handelt, dass ich also Herrn Wanzenböck vom Verlag kontaktieren und ihn bitten werde eine Buchhandlung in Wien zu aktivieren, um bei der besagten Veranstaltung mit einem gut befüllten Verkaufspult präsent zu sein. Ich bat sie weiters, mir noch die genauen Daten, den genauen Ort, die Zeit und was ich sonst noch so brauche mitzuteilen.
Mein Telefon läutet nur wenige Stunden später nochmals.
"Grüß Sie Herr Beck, Gerda Rogers nochmals hier. Sie, Herr Beck, ich glaube das mit dem Termin geht alles zu schnell und ich habe noch immer keine genauen Daten und man kann das keiner Buchhandlung zumuten, das ist alles so schrecklich unsicher. Sie wissen ja wie das so ist, es ist ja dauernd immer alles anders. Die planen ja alles so schrecklich kurzfristig. Der Event wird stattfinden, aber es ist noch alles nicht so genau fixiert, beziehungsweise weiß ich noch nicht alles. Fixiert werden die schon alles haben, aber mir fehlen noch Informationen und daher würde ich vorschlagen, wir lassen das einstweilen. Wir sind sowieso im September bei Thalia in der Landstraße mit einer Buchpräsentation und in den kommenden Wochen bin ich in Zell am See. Das kann man ruhig machen, weil da gibt es viele Bekannte von mir und da muss ich das schon dort in einer Buchhandlung veranstalten, das habe ich denen schon zugesagt und das erwarten die.
Zell am See ist die einzige Ausnahme, die ich im Sommer mache und wo ich glaube, dass eine Präsentation durchaus Sinn macht. Was meinen denn Sie, Herr Beck??"
Ich versichere Frau Rogers, dass ich die Idee für großartig halte und, dass Zell am See für den Sommer nahezu ideal für eine Buchpräsentation wäre, wo sonst wenn nicht in Zell am See.
Vor meinem geistigen Auge springt Gerda Rogers im eleganten Badeanzug mit Taucherbrille und Schnorchel in den Zeller See und wird einzig durch den Schnorchel daran gehindert den vielen Fischen von der etwas später im Ort stattfindenden Buchpräsentation zu erzählen. Wer allerdings Gerda Rogers etwas besser kennt, der weiß, dass der Schnorchel nicht lange dort bleibt wo er ist und sich derselbe in bälde an der Wasseroberfläche in den Wellen wiegt, während der Beobachter zusätzlich zahlreiche große und kleinere Luftblasen, resultierend aus einer Unterwasserwortlawine, wahrnehmen wird.
"Und wissen Sie, ich bin heute Abend hier zu einer Buchpräsentation!"
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