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Auf die Frage, wie man seinen Sonntag zu verbringen gedenke, gäbe es naturgemäß vielerlei Antwortmöglichkeiten. Ein Ausflug in den Wienerwald um den womöglich letzten, herzerwärmenden Sonnensonntag in der Natur zu verleben. Drachensteigen auf der Donauinsel, mit den JüngerInnen einer bezaubernden Fotohomepage durch Wien zu ziehen und zu fotografieren was das Zeug hält, oder eine mystisch klingende Ahnenaufstellung mit einem gänzlich Unbekannten in Floridsdorf.
Zitierte Ahnenaufstellung in Floridsdorf kam letztendlich zum Zug und erhellte mein diesbezügliches Halbwissen um ein Viefaches. Es geht letztendlich weniger verzaubert zu als erdacht und wenn man nicht möchte oder erst Recht nicht dazu in der Lage ist, muss man auch nicht weinen. Geweint wurde weitaus weniger als aus Erzählungen heraus vermutet.
Zusammenhänge tun sich auf, Emotionen werden, dezent aber doch, großflächig im Raum verteilt, Menschen treten auf und wieder ab. Verhältnisse werden ausgeleuchtet und in Beziehung zueinander gestellt, wieder weggerückt und wo anders neu präsentiert, um sie später im Feedback nochmals zu erkennen und zu beurteilen. Als gebuchter Repräsentant schlüpft man in die einem angedachte Rolle und nimmt auf was man fühlt um Aussagen zu treffen, Dinge zu tun, die die Person, in deren Hülle man soeben schlüpfte, vermutlich in dem Augenblick genau so gesagt oder getan hätte. Man nimmt Haltungen ein die einem vielleicht fremd sind und ist verwundert über den Output den die einem eben noch fremde Person für einen so in ihrer Fülle hergibt. Man zieht die eine Person vor und die andere würde man am liebsten nachhaltig zurückstoßen, um sich ihrer für immer und ewig zu entledigen, wenn man so könnte, wie man soeben wollte. Ahnenaufstellung live.
Man geht davon aus, dass in der Vergangenheit Prägungen stattfanden, die uns möglicherweise bis heute nicht loslassen. Diese gilt es zu ergründen, zu verstehen, wenn es sein muss, mit einer Versöhnung abzuhaken um das behindernde Staffelholz, das uns von unseren Vorfahren mitgegeben wurde, endlich fallen zu lassen, uns davon zu befreien. Mitunter wird versucht den Ursprung einer Krankheit zu suchen, insbesondere wenn sie Krebs heißt und sie in Relation von Spannung und Familiendrama zu setzen.
Mag sein, dass die Fotopirsch lustiger gewesen wäre, aber die Ahnenaufstellung und die damit verbundenen Erfahrungen waren auch nicht ohne und unter Garantie nachhaltiger.
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