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Unmögliche Zeiten E-Mail

photocase4rtk86ar2.jpgManche fühlen sich geschmeichelt, wenn der ORF an die Türe klopft und sechseinhalb Sendeminuten verspricht. Manche macht es nachdenklich und manche wiederum finden, es wird allerhöchste Zeit entdeckt zu werden.

Es gilt also sechseinhalb Sendeminuten zu befüllen. Treffpunkt ist die Wotruba Kirche. Wer sie kennt weiß, es handelt sich um einen fantasievoll zusammengewürfelten Betonquaderhaufen von Architektenhand entwickelt. 8.00 Uhr ist der Drehbeginn und ich beginne mir jetzt schon auszumalen, wie ich denn um 8.00 Uhr aussehen werde. Von der Nacht noch ein wenig entstellt, etwas verlangsamt und nach guten Eingebungen ringend. Auf meine Frage, wie denn der unmögliche Termin zustande kommt erfahre ich, dass es mit den Drehgenehmigungen offensichtlich so ist. Man bekommt sie und hat zur besagten Zeit zu erscheinen, auch zu unmöglichen Zeiten. Ich glaube auch ganz fest, dass mein Verbindungsmann Gerry Weinlich keinesfalls so narrisch ist und von sich aus nach 8.00 Uhr verlangte. So werden die Augen von mindestens fünf Personen auf Alois Mader, den Rutengeher, und mich gerichtet sein, während wir uns größte Mühe geben die Schwammigkeit des Morgens zu durchbrechen. Ab 9.00 Uhr sollte es allmählich auftauen, mein Gehirn. Vorsorglich um rascheres auftauen zu unterstützen, habe ich bereits am Vorabend reichlich Grünen Tee aufgegossen.

Die zweite Station ist der St. Marxer Friedhof. Vom Tor weg führt sozusagen eine Energieautobahn direkt in die Mitte des Friedhofes. Herrlich, ein Zustand den ich mir von 44 Kraftorten noch immer gemerkt habe. Der Vater vergisst seine zahlreichen Kinder. - Was, du bist mein Kind??

Ich bat Alois Mader freundlich, sich an das Buch zu halten und nicht in Widersprüche zu meinen Texten zu geraten. Könnte ja sein, obwohl er verneinte. Ein kitzekleiner Pessimist kratzt an meinem Herzen.

Die dritte Station ist der Naschmarkt. Wir werden wie Filmstars durch den Mark spazieren, auf die vielen Leute deuten und feststellen, dass der gesamte Markt ein Tummelplatz der guten Energien ist. Dass es sich lohnt hierher zu kommen, um von all dem zu inhalieren. Hier lässt sich die Kommunikation forcieren, hier lässt es sich großartige Gespräche führen und viel mehr. Der Naschmarkt ist wie eine große Akku-Station die freundlichst von all dem gibt was das Herz, der Körper so braucht.

Die letzte, vierte Station ist Grinzing. Wir klappern zwei Kraftorte ab, um sehr bald in einem gemütlichen Heurigen zu verschwinden. Dort prosten wir einander zu und geben vor glücklich zu sein, denn Wein und Essen hält die Seele zusammen und gibt Kraft. So findet man mit Sicherheit auch in jedem einzelnen Heurigen einen herzerfüllenden Kraftort, an dem es sich lohnt für Stunden sitzen zu bleiben. Es darf nur nicht zuviel vom Wein sein, denn der hebt die Kraft des Ortes mit jedem Schluck im Übermaß vermutlich wieder auf.

Wenn wir aus Grinzing abfahren, ja dann werden wir wissen ob der Tag ein gelungener war und wir uns auf die sechseinhalb Sendeminuten freuen dürfen. Ich werde mir einige Tage vor dem Sendetermin eine DVD übermitteln lassen um zu sehen, ob ich mich am Sonntag, dem 9.12. um 17.05 Uhr verstecken muss oder ob ich erhobenen Hauptes mein klingelndes Telefon abheben darf, um wohlwollenden Zuspruch entgegenzunehmen. Zumindest bleibt die Zuversicht, dass weitere Bücher folgen und man in der Übung wächst.