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Und wenn ich einmal sterbe, dann sollen die Besucher meiner Beerdigung, meine Kollegen, meine FreundInnen, nicht über Gebühr Trauer zeigen. Sie sollen feiern, musizieren, tanzen und genießen und so tun als wäre ich mitten unter ihnen. Und wer weiß, vielleicht bin ich es auch. Ich bin mir ganz sicher und werde mich bemühen auch tatsächlich hier zu sein.
Bevor Stammleser des Blogs denken, was in mich gefahren sei, ich bin es nicht, ähnliche Gedanken musste die Vorgesetzte meines Freundes gewälzt haben, als sie an die Vorbereitungen ihres eigenen Begräbnisses und dessen Ablauf dachte.
Wie ein Fest soll es sein. Ihr sollt nicht Trauer tragen, sondern in Eurem nettesten, vielleicht sogar frechstem Lieblingsoutfit erscheinen. Dazu wünsche ich mir eine Band, darum soll sich Matthias kümmern, die Band soll ausnahmslos Hits der siebziger und achtziger Jahre spielen, denn die liebte ich so sehr. Und wenn es geht, weint nicht zuviel, es soll ja ein Fest sein und ich werde bei Euch sein und mit Euch tanzen, singen und beschwingt sein. Genau so stelle ich es mir vor.
Mitten im Leben wollen wir gemeinsam stehen.
Heute wurde mein Freund von der Mutter der Verstorbenen angerufen und nach einer Band gefragt, denn ihre Tochter meinte in ihrer Dramaturgie für den endgültigen Abschied, sie möge ihn diesbezüglich kontaktieren und er würde ihr sicher eine nennen können. Es wird auch für die Band eine vollkommen neue Erfahrung sein, denn sie spielte bisher noch nie auf einer Beerdigung. Wie werden die Reaktionen sein? Wird es vielleicht doch ein Gig wie jeder andere oder werden auch bei den Bandmitgliedern viele Tränen fließen? Vermutlich wird es wie bei jedem anderen sein, wenn er seine eigene Endlichkeit, seine eigene Biographie in Gedanken einbringt und die eigenen Tränen gleichsam als Ventil dessen fließen, manchmal mehr, gelegentlich weniger.
Es soll ein Fest sein und Ihr sollt nicht zu sehr trauern, denn ich werde bei euch sein und mit Euch feiern. Und so ich will, werde ich auch die nächsten Wochen und Monate mit Euch verbringen, Euch beistehen und beraten, bis mich hier nichts mehr hält und ich endlich loszulassen imstande bin. Aber das wird dauern, denn ich wollte längst noch nicht sterben und stand mitten im Leben und hatte unzählige Pläne.
Aber vergesst bitte nicht auf kommenden Mittwoch, lasst die Trauer zuhause und wir wollen feiern, tanzen, singen und so richtig beschwingt sein. Ich freue mich auf unser Wiedersehen am Mittwoch.
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