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Dass ICH nicht mehr ICH war, wurde mir vor einigen wenigen Tagen zum ersten Mal schmerzlich bewusst. Die Treue zu sich und seinen eigenen Standpunkten ist bei jedem bewusst lebenden Menschen immer wieder ein wichtiges Thema. Es führt zu laufenden Überprüfungen der aktuellen Standpunkte, um im Verlauf eines Kursverlustes gegebenenfalls an diesem ein wenig zu drehen.
Nur was tun, wenn man so sehr von sich selbst entfernt ist, andere Mächte einen längst übernommen haben und es schier unmöglich ist sich selbst wieder zu übernehmen um ein selbstbestimmtes, selbstverursachtes Leben zu leben? Einfach wieder selbst zu bestimmen was man isst, trinkt, spricht und so weiter. Es scheint gänzlich unmöglich zu sein.
Wie das?
Ich hatte schon immer das Gefühl im Bett nicht allein zu sein und es mit unsichtbaren Mitschläfern zu teilen. Korrigiere. Es handelt sich weniger um Mitschläfer, denn wenn ich schlafe, sind SIE hoch aktiv und machen sich an mir zu schaffen. Sie übernehmen meinen Körper, meinen Geist, meinen eigenen Willen. Dass ich hier sitzen und diese Zeilen tippen kann, verdanke ich ausschließlich der Gelegenheit, dass auch die Macht in mir inne halten und schlafen muss. Diese wenigen Augenblicke im Verlauf eines Tages gestatten mir, für mir immer wichtiger werdende Momente mich selbst zu übernehmen, um wenigstens für kurz das zu tun wo nach mir ist. - Einen Blog zu schreiben. Etwas Vernünftiges zu essen. Einen Porno anzusehen. Menschen die mir wichtig sind anzurufen.
Den Großteil des Tages bin ich jedoch in mir selbst verloren und dieser mich bestimmenden Macht ausgeliefert.
Begonnen hat alles mit einer kaum hörbaren, mir unheimlichen Durchsage:
"Hier spricht Ihr Kapitän."
Oder so ähnlich klang es verhalten in meinem Kopf. Besagte Stimme erklärte mir anschließen von mir Besitz genommen zu haben und, dass Widerstand vollkommen zwecklos sei, denn sie sitze an den Schalthebeln der Macht und hätte mich unter Kontrolle. - In den kommenden Tagen versuchte ich mich mit der Stimme in mir zu arrangieren um auf diese Weise heraus zu finden wer sie sei und, wie ich sie vielleicht doch wieder aus mir hinaus brächte. Lange dachte ich, in den wenigen Minuten in denen mir eigenständiges Denken verblieb, ich würde an fortgeschrittener Schitzophrenie leiden. Soll doch in den besten Familien vorkommen. Es gelang mir über die Zeit mich mit der Stimme in mir zu arrangieren. Sie wog sich in Sicherheit und vertraute mir ihr Geheimnis an. Es handelte sich um eine der unzähligen Hausstaubmilben in meinem Bett. Diese eine war viel weiter entwickelt als alle anderen und nahm im Verlauf einer kuzen Nacht von mir und meinem Geist Besitz. Dieser Zustand hält nun bereits viele, kaum zählbare Stunden an und wird sich wohl nicht so rasch ändern. Dazu sind die mir überlassenen Momente zu sprunghaft, unregelmäßig, einfach unberechenbar.
"Hier spricht ihr Kapitän. - Ich habe wohl ein wenig geschlafen ..."
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