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Regelmäßig zum 1. April fällt mir meine Omi ein. - Nicht dass ich sonst auf sie vergessen hätte, aber am 1. April ist sie mir immer besonders präsent, denn sie liebte es speziell an diesem Tag, ihre sie umgebenden Mitmenschen etwas zu necken.
Interessanterweise war für sie auch der 1. März ein Tag wie der 1. April, vielleicht ist es eine Kärntner Tradition, ich weiß es nicht so genau. Begleitet wird das Necken am 1. März mit dem darauf folgenden Spruch: "Der 1. März schickt den Esel um ein Schüsselchen Sterz". Tja, warum immer man auch den Esel um Sterz schicken möge. Unter "Sterz" versteht der gelernte Kärntner im übrigen gekochten Maisgrieß, also Polenta. "Sterz" dürfte im Dialekt angesiedelt sein.
Gestern zum 1. April wurden die Kollegen hauptsächlich von mir geneckt. Die anderen waren zu müde, zu angespannt, um überhaupt der Idee zu verfallen, jemanden in den April zu schicken. Ganz im Gegenteil ich bekam sogar ein Mail mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass es sich keinesfalls um einen Aprilscherz handelt. Es war eine bekannt gegebene Selbstkündigung einer Kollegin. Das war letztlich auch meine Inspiration selbiges einigen anderen Kollegen zu verlautbaren. Es war wie der selbstinszenierte Tod, ich kam gut an und man weinte mir etliche Tränen nach. - Nun so weit ließ ich es letztendlich auch wieder nicht kommen.
Außerdem wurde mir in den vergangenen Tagen wieder einmal so richtig bewusst wie sehr man in manchen Firmen zum Beiwerk diverser Planspiele verkommt. Man stecke 150 Personen in einen Becher, schüttle ihn eifrig hin und her und lasse anschließend den Inhalt gleichmäßig auf die Tischplatte fließen. Dann zerteile man die Masse in neue Abteilungen, einen kleinen Rest entferne man in den darunter stehenden Mülleimer, auf dem in sperrigen Großbuchstaben das Wort "KÜNDIGUNG" zu lesen ist. Sollte das alles mit den Schwingungen stimmen, dann müsste die gesamte Führungsebene an schmerzhaftesten Krebsvarianten erkranken, weil sie von der Eimermasse massig besprochen, verwünscht und was weiß ich noch wurde. In Tagen wie diesen verstehe ich zum ersten Mal Kollegen die ihre verbleibenden Arbeitstage zur Pension hin zählen. Was bleibt einem auch anderes übrig, um mit halbwegs geradem Rückgrat mittags in die Kantine zu kommen.
"Nach jedem Tal erfolgt wieder ein Aufstieg."
"Nach Regen folgt Sonne."
"Wenn du glaubst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her."
Das sind Sprüche die ich in den kommenden Tagen auf buntem Papier vervielfältigen und der Kollegenschaft überreichen werde. - Inklusive je einem Pack Tempo-Taschentücher "Vanille". Das muss doch um Buddhas Willen seine Wirkung zeigen um wieder an eine gute, gemeinsame Zukunft zu glauben.
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