Worin liegt das Geheimnis des Lebens. Was ist die Lebensaufgabe. Wo ist der Weg, das Ziel, worum geht es denn all die Jahre. Das sind Fragen die sich immer wieder, Zeitfenstern gleich, aufmachen und nachhaltige Beschäftigung bieten.
Unlängst traf ich einen Mann, er hat vielleicht noch wenige Wochen zu leben, er ist größtenteils bettlägerig, matt, schwer krank. Er leidet an Bauchspeicheldrüßenkrebs. Nun lag er in seinem Bett vor mir und wir führten eine angeregte Unterhaltung über ihn, über mich, über Gott und die Welt.
Er wusste, zum Unterschied von vielen, seine Erkrankung anzusprechen, sie beim Namen zu nennen, ausführlich zu thematisieren und meinte - und das sagte er sehr überzeugt, dass er sich schon auf den Tod freue und er keinerlei Angst vor ihm hätte. Wovor er Angst hätte, wäre höchstens der durch seine Krankheit ausgelöste Schmerz in den Tagen oder Wochen davor.
Und doch waren da einige Dinge, die ich mit mir mit nahm und die mich zum Nachdenken anregten. Der Mann lebte ein Leben ohne Zufriedenheit. Er war in einem Theaterbetrieb in der Telefonzentrale und wurde später Buchhändler. Wäre er in der Telefonzentrale in Pension gegangen, hätte er heute wesentlich mehr zu leben meinte er. Er war gleichgeschlechtlich orientiert, konnte auch dem wenig Lebensqualität abgewinnen und meinte mit einer richtigen Familie wäre er heute nicht allein, denn er lebte immer sehr zurückgezogen und hatte keinen Freundeskreis. Er renovierte seine erstandene Mietwohnung von Kat. D auf A und meinte das Geld hätte er lieber auf die Bank legen sollen. Alles in allem gab es im Verlauf des Gesprächs nur einen einzigen Punkt der seinen Augen strahlenden Glanz verlieh, die Welt der Oper. Er war, so erzählte er mir, seit seinem 15. Lebensjahr im Landestheater in Linz und später in der Wiener Oper oft zu Gast. Die liebte er, aber sie vermochte ihm nicht so viel Lebensinhalt zu geben, dass es ihm heute auf seiner letzten Station als ein sinnvoll angelegtes Leben erschien.
Wie wichtig ist es immer wieder für Momente inne zu halten um sich einer geraumen Rückschau zu widmen. Wie war es bis jetzt, wollte ich dort hin wo ich jetzt stehe, was kann ich tun wenn dem so nicht ist und so weiter. Das meiste lässt sich ja doch beeinflussen und vielleicht blicken wir dann etwas zufriedener auf all die Jahre zurück die wir hier auf dieser Welt verbrachten.
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