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Romantische Altbauwohnung E-Mail

ap_401_gulli_1.jpgWie viele Leute gibt es, die von historischen Wiener Altbauwohnungen endlos schwärmen. Meterhohe Wände, eventuell geschwungenes Deckengewölbe, großzügige Dimensionen, ein alter, knarrender Parkettboden mit über hundert Jahren Leben im Gesicht. Eine Altbauwohnung hat schon was. Man fühlt sich in ihr niemals allein, dadurch knarrt es zu laut und zu oft.

Und doch gibt es eine lange Reihe von entsetzlichen Nachteilen die dazu führen, dass man die eigene Wohnung am liebsten vor die Türe setzen möchte. Die Isolationswerte sind schrecklich, im Sommer heiß, im Winter so kalt, dass man beinahe durchheizen muss. Gäbe es an dieser Stelle Widerspruch, sei kurz angemerkt, das der soeben zitierten Altbauwohnung, das Übel dieser Geschichte, im Geschoß darüber ein wenig isolierter Dachboden aufsitzt und sie rundherum von Außenwänden umschlossen ist. Woher soll also im Winter die Wärme kommen, wenn nicht von einer Gasetagenheizung, die ständig und kostspielig vor sich hinsurrt. Die Speicherwärme ist gleich Null. Hört man zu heizen auf, ist es innerhalb von spätestens 30 Minuten wieder kühl.

Heizen im Sommer, was für ein Thema. Und im Grunde geht es darum auch überhaupt nicht.

Vielmehr geht es um die leidigen Abflüsse. Wieso sind mir zahlreiche Altbauwohnungsbesitzer bekannt, deren Abflüsse schlecht ableiten. Vermutlich weil sie endlos unterdimensioniert sind. Der Stein des Anstoßes ist seit heute absolut verstopft. So verstopft, dass auf der einen Seite das Wasser herauskommt, wenn es an der anderen eingeleitet wird mit der selbstverständlichen Absicht, es in das unendliche Kanalsystem Wiens abzuleiten. Und das geht seit einigen Stunden nicht mehr, trotz pumpen, wässern, fluchen, und vielem mehr. Sämtliche bisherigen Tricks versagen auf das jämmerlichste.

Morgen muss die Hausverwaltung Erlösung in Form eines Sachverständigen schicken. Ein Kollege von mir erzählte mir vor Jahren, dass dann mit so extremen Wasserdruck gearbeitet wird, dass die verloren gegangenen Salatblätter beim Nachbarn darunter wieder zum Vorschein kamen. Was bei uns dabei das Licht des Tages erblicken soll ist mir augenblicklich noch schleierhaft, aber wenn ich mir die heutigen Ergebnisse in der Duschwanne vor Augen halte, dann wird es wohl brackig braune Brühe sein mit dem unaufdringlichen Parfum von Altwasser.