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Böse Raben E-Mail

aboutpixel_de_rabe_nihon.jpgGegenüber auf den kahlen Bäumen saßen die Raben und beobachteten bereits über viele Minuten die Kinder, wie sie beständig an ihren Strickliesln zupften und mit den gestrickten Würsteln immer wieder im Übermut aufeinander einschlugen.

Was die Raben dazu veranlasste das Geschehen stoisch zu beobachten weiß kein Mensch. Es wurde nur berichtet, dass sie immer wieder kehrten, sich auf die höchsten Äste der Bäume setzten, um das geschehen in der Schule gegenüber zu beobachten. Und manchmal passierte es, dass sie sich in einer der Pausen im Schulhof auf eines der Kinder stürzten und auf dieses einhackten. Das ging so lange bis eine Lehrperson kam um die Raben zu verscheuchen. Meist war das Kind bereits in Mitleidenschaft gezogen und blutete aus den von den Raben gehackten Hautfetzen.

Die Schulleitung verständigte den Revieraufseher und forderte ihn eindringlich auf, die Raben abzuknallen. Der Revieraufseher konnte dem nicht nachkommen, denn Raben stehen auf der Roten Liste und dürfen nicht einfach so abgeknallt werden. Nicht einmal wenn sie Schulkinder verletzen. Dann ist es nur erlaubt sie nachhaltig zu verscheuchen indem man sie vielleicht mit einer Lebendfalle einfängt und wo anders wohlbehalten aussetzt. Es soll jedoch Raben gegeben haben, die bereits am nächsten Tag wieder auf den selben Bäumen saßen um die Kinder zu beobachten.

Die unerwünschte Aufdringlichkeit der Raben führte eines Tages dazu, dass die Schulleitung die Bäume fällen ließ. Die schwarzen Vögel waren nur kurz irritiert und nahmen den Telegrafenmasten als Ersatz. Den konnte und wollte die Schulleitung nicht auch noch umfällen. Später versuchte sie es mit vergiftetem Futter, natürlich vollkommen illegal. Die Tiere waren jedoch zu schlau um darauf reinzufallen. Viel zu genau beobachteten sie die Schulleitung bei der Ausbringung des Futters und ahnten vermutlich die böse Absicht.

Noch immer sitzen die Raben auf den inzwischen nachgewachsenen Bäumen und beobachten das Leben in dem Schulhaus gegenüber. Eine neue inovative Schulleitung ordnete eines Tages an, dass der Aufenthalt vor dem Schulgebäude, in Anwesenheit der Raben, tunlichst nur noch mit Vollvisierhelmen gestattet sei. Das sieht zwar merkwürdig aus, es kam allerdings seit Inkrafttreten der Verordnung zu keinen weiteren Zwischenfällen mehr. Damit war die Verordnung in den Augen der Schulleitung gerechtfertigt. Was nicht bedacht wurde war der unsägliche Umstand, dass die Helme auf Dauer zu schwer waren und die Kinder in der Zeit vor dem Schulgebäude nicht weiterwachsen konnten. Die Zeit addiert, waren das in Summe pro Kind und Schuljahr mindestens 2 Zentimeter Wachstum. Aber das tat nichts zur Sache. Die Raben wurden an weiteren Attacken gehindert und das rechtfertigt allemal 2 Zentimeter Wachstum pro Jahr.