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Der Fasching ist für manche eine willkommene Zeit um zwischen ihren manigfaltigen Persönlichkeiten unauffällig und doch wiederum für alle sichtbar zu switchen. So gibt es zum Beispiel Kollegen die sich extra einige Tage frei nehmen um die Zeit des Switchens vollkommen auszukosten und diese nicht mit Alltag zu verschwenden.
Eine Kollegin aus Blumenthal – ein Ort, kein Tal – nahm sich zwei Tage frei um sich, wie sie im Gespräch meinte, ausgiebig ins Faschingstreiben zu stürzen. Ich hatte leider vergessen zu hinterfragen als was sie sich verkleiden würde. Meine Standard-Frage des Faschingdienstag.
Ich meinte zu jedermann ich würde mich am Abend als blanchierter Tintenfisch verkleiden. Es wurde immer gelacht. Ich gehe allerdings davon aus, dass fünfzig Prozent der amüsiert scheinenden Mimen keine Idee hatten, was man sich unter blanchiert vorzustellen hätte. Vielleicht hörten sie auch „blamiert“ und fanden, dass es zu mir passen würde. – Ein blamierter Tintenfisch.
Eine liebe Kollegin meinte sie würde des Abends als ein Chinese verkleidet sein der ins All geschossen wurde und nie wieder auftauchte. Zuerst dachte ich sie würde mich necken, es war allerdings ihr tatsächliches Vorhaben. Ich meinte achselzuckend, dass sie mit dieser Verkleidung eine Menge Erklärungsbedarf hätte, das Kostüm allerdings eine großartige Möglichkeit wäre mit vielen Menschen ins Gespräch zu kommen. Denn was läge näher, als bei Unverständnis angesprochen zu werden. Ich hatte nur vergessen zu hinterfragen ob sie die Verkleidung vor Reiseantritt des Chinesen wählt, oder die Zeitspanne des verschollen seins nimmt. Diese Frage ist auf alle Fälle noch nachzuholen. Ihre Begleitung geht übrigens als Fischstäbchen. - Wie originell.
Was mir diesen Faschingdienstag aufgefallen ist, es gab keine verkleideten Kantinenkräfte, kaum verkleidete Kollegen und ich sah keine einzige gestylte Supermarktkassierin. Letzteres lag vermutlich darin, dass ich in keinem Supermarkt war.
Ab morgen ist der Fasching vorbei, es darf bei Fisch gefastet werden und die bescheidene Alltagstrauer hält wieder Einzug.
Lei lei!
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