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Gelegentlich würde ein Aufnahmegerät und das pure eintippen und online stellen des Gehörten reichen, um eine vergnügliche, reizende Geschichte aus dem Hut zu zaubern. Ulkige, meinen Weg kreuzende Zeitgenossen sind mir dabei eine nicht versiegen wollende Quelle.
Neulich wurde mir eine Dame um die 60 im Rahmen einer Gartenparty vorgestellt, die einen erfrischend unkonventionellen Zugang zu den Öffentlichen Verkehrsmitteln, im Speziellen zum sogenannten "O-Wagen", einer Wiener Straßenbahnlinie, hat.
Besagte Dame hasst nichts mehr, als sinnlos zu warten. Fährt ihr also vor der Nase die Straßenbahn davon, geht sie sobald die Ampel für die Autos auf Rot steht, die Autos entlang und sucht sich eine sympathische Fahrerin aus, öffnet die Beifahrertüre und frägt, ob sie ein Stück mitfahren könne. Erstaunlicherweise klappt es beinahe immer. Es gab nur ein einziges Mal Schwierigkeiten, als sie erst nachdem sie zugestiegen war, die besagte Frage stellte. In diesem einen Fall wurde sie ebenso rasch, wie vehement aus dem Auto komplimentiert, wie sie kurz zuvor eingestiegen war.
Als ich diese Geschichte hörte und sie dabei ansah, musste ich lächeln und meinte zu ihr, wäre ich eines ihrer Autofahreropfer, würde ich mit ihr am Beifahrersitz schnurstracks in den 14. Bezirk ins Otto-Wagner-Spittal fahren und sie erst dort wieder aussteigen lassen. - Für Wienunkundige, es handelt sich bei diesem Spittal unter anderem um eine Art Nervenheilanstalt.
Unlängst fuhr ich mit der Bahn, in einem komfortablen Wieselzug, von Wien nach Payerbach-Reichenau, gemessene 80 Bahnkilometer. Wieselzüge sind verhältnismäßig moderne Pendlerzüge und da Pendler üblicherweise kein Gepäck mit sich führen, ist man in diesen Zügen als gewöhnlich Reisender gezwungen, sein Gepäck, so man eines hat, auf den Knien oder sonst wo zu balancieren.
In meinem Waggon befanden sich zwei Herren, die in ihrer Auffälligkeit die personifizierten Erfinder des Bassena Tratsches gewesen sein könnten. Sie unterhielten sich über Buddha und die Welt, in einer Lautstärke, dass jeder einzelne Anwesende gezwungen war zuzuhören, ob er / sie es wollte oder nicht.
Meine Nachbarin gegenüber wollte ursprünglich ein Buch lesen und legte es nach kurzer Zeit kopfschüttelnd zur Seite, es war viel zu laut um sich überhaupt darauf konzentrieren zu können.
In der Unterhaltung der beiden Herren ging unter anderem um Gitti Ederers im Verlauf des EU-Beitritts versprochenen 1.000,- Euro, die beide noch immer nicht erhalten hätten. Um den Tod und die Seele. Und besonders großen Unterhaltungswert hatte der Beitrag über die Entstehung "Luzifers", der eben einfach sein eigenes Ding machen wollte und zur ursprünglichen Truppe nicht mehr passte, wie sie zeitgemäß dargestellt meinten. Arnold Schwarzeneggers physische Vergänglichkeit war ein weiterer Höhepunkt der lautstarken Unterhaltung, die in Wiener Neustadt jäh unterbrochen wurde, da einer der Herren sein Reiseziel erreichte.
Bahn fahren lohnt sich, nicht nur für Blogger.
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