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Der kranke Riese E-Mail

photocase_de_kong_4z25bwav2.jpgIch hörte von einem Freund, dass in seiner Firma ein Riese von einem Über-Chef beschäftigt sei. Er vermutete, dass es sich um einen kranken Riesen handle, weil er so unendlich voluminös war und man ihn kaum zu Gesicht bekam. Das wäre zumindest bei Tieren ein Zeichen, dass sie sich nicht wohl fühlen, meinte er.

Diesen Riesen liebte niemand, denn er setzte angeblich alle seine Ansichten und Absichten mit Brachialgewalt durch. Er war also ein ungeliebter, kranker Riese. Er hatte zwar ebneso Chefs, meinte mein Freund, vor denen fürchtete er sich sogar, aber nach unten hin war die Furcht freilich nicht bemerkbar. Nach unten kam Druck und wenig Freundlichkeit.

Aber er hatte auch sehr menschliche Züge. Er liebte das Leben, den Genuss, Unterhaltung, und vieles mehr. Aber davon hatten seine Untergebenen nichts. Die wurden ja nicht in seine egomanische Genusswelt mit einbezogen. Es hieß sogar er würde seine Untergebenen anherrschen. Ein unbeherrschter kranker Riese also.

In einem Märchen würde irgendwann ein wackerer Prinz, Krieger oder ähnliches kommen und dem Riesen den Kopf abschlagen. Natürlich nicht ohne ihn vorher noch hier und dort kräftig gepiekst zu haben. Nur - dieser Erlöser der Mannschaft war nicht in Sicht und mein Freund meinte, es müssten sich also weiterhin alle tyrannisieren lassen. Sie erhielten schließlich Geld dafür. Nicht viel aber genug um halbwegs vernünftig davon leben zu können. Manche nannten es nicht Gehalt, sondern Schmerzengeld. Dafür waren sie auch bereit einen Teil ihrer Würde am Portal ihrer Firma abzulegen. Und wenn der kranke Riese meinte sie mögen sich bücken, damit er ihnen einen ordentlichen Tritt verpassen könne, dann taten sie es auch. Schließlich wurden sie ja dafür bezahlt.

Und so ging das Jahr für Jahr, allerdings wurde der Riese immer kränklicher und wurde schließlich eines Tages pensioniert. Sein Nachfolger war ein normal gewachsener Mensch, zwar auch nicht besonders gesund, aber zumindest zu seinen Untergebenen sehr nett. Mein Freund saß diese Zeit allerdings nicht aus und verließ das Reich des kranken Riesen freiwillig, denn er konnte es sich nicht vorstellen um ein Schmerzengeld zu arbeiten - und sei es noch so fürstlich.