Es ist ungefähr sieben Uhr am Morgen, ich sitze in der U6 und höre plötzlich ein weibliches, laut erregtes:
"Muas i ma des von dem tepperten Oarschloch gfolln lossn?"
Ungefähr in dem Ton, vielleicht eine Spur gemäßigter ging es weiter, Buddha sei Dank, durfte ich wenige Minuten später umsteigen. Und ich habe mir die zwei Damen angesehen, sie sahen bei weitem nicht so aus wie sie sprachen.
Ein typischer Fall von Wahnsinnsschwammerln.
Sie begegnen einem immer und überall, am liebsten in den Wiener Linien. Gestern zum Beispiel saß ich im Bus. Zwei Jungs steigen ein, ich kann sie als solches über ihre Stimmen verifizieren, denn sie befinden sich unmittelbar hinter mir und nehmen dort auch Platz. Das Stimmvolumen des einen Jungen war dergestalt, dass man ihn sicherlich, wir saßen in der Mitte des Busses, von hier aus bis zum Ende und von dort mit ziemlicher Sicherheit bis zum Fahrer hören konnte. Und das war schon sehr laut, vielleicht bin ich am Ende eines Arbeitstages zu anspruchsvoll, aber das Gespräch war verdammt nichtssagend, unter anderem erfuhr ich von einer Alkoholkontrolle für Jugendliche, die ihm vergangenes Wochenende widerfuhr. Es schien sich um die Sorte "hyperaktiv" gehandelt zu haben, denn kaum hatte ich mich an die laute Stimme und den Gesprächsinhalt gewöhnt, setzte ein unregelmäßiges Klopfen gegen meinen Sitz ein. Es nervte mich wahnsinnig, ich drehte mich um und bat mit der weißen Flagge in der Hand um Einstellung der Kriegshandlungen. Der Junge war kurz erschrocken, entschuldigte sich mindestens zweimal und war fortan nicht nur leiser, sondern klopfte auch kein einziges Mal mehr.
Er hatte offensichtlich nur kurzfristig eine Überdosis Wahnsinnsschwammerln intus.
Vor einigen Tagen am Westbahnhof. Ich steige von der U6 in die U3 um, begegnet mir am Bahnsteig der letzteren eine an und für sich gut gekleidete Frau und bat mich unmotiviert um einen Euro. Ich war nicht in der Stimmung einer Spende und stellte mir zudem die Frage, wieso es gleich ein ganzer Euro sein muss, wieso hat niemand mehr den Anstand auch mal wieder nach ein paar Cent zu fragen. Noch schlimmer finde ich die Frage nach "ein paar Euro" wie es immer wieder vorkommt. Ich spende durchaus häufig, aber die Empfänger sind meist die Stillen unter den Bedürftigen, diejenigen, denen ich es auch verlässlicher abnehme, dass sie das Geld wirklich brauchen. Vielleicht tu ich dieser Frau leid, aber für mich war es ein typischer Fall von Wahnsinnsschwammerln.
Wenn ein Kerl vor dem Fenster unseres Yogaraumes über ein Mädchen herfällt, sie um Hilfe ruft, absolut verzweifelt ist und er nicht von ihr ablässt, man ihm erst mit der Polizei drohen muss, diese vom Vorfall telefonisch informiert und er dann fortläuft weil er vermutlich ohnehin schon einiges am Kerbholz hat, dann ist vermutlich auch das ein Fall von Wahnsinnsschwammerln.
Zugegeben es ist schon ein paar Jahre her, ich wohne in der Nähe eines Studentenheimes und als ich unterwegs nachhause war, es war spätnachts, liefen vor besagtem Heim lauter weißgewandete StudentInnen herum. Es war eine Toga-Party, zum Abschluss des Semesters und die zahlreichen HeimbewohnerInnen sahen in ihrem Outfit teilweise total putzig aus. Als sie allerdings damit begannen ein Verkehrszeichen aus der Verankerung zu drehen und sich mit der Konstruktion in die Mitte der Straße stellten, sodass ein Touristenbus Mühe hatte langsam aber sicher auszuweichen, ja da hatte ich meine Bedenken. Heute weiß ich, dass sie vermutlich an diesem Abend eine zu große Portion Wahnsinnsschwammerln hatten.
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