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Bahnfahren E-Mail

photocase_de_jodofe_egejffqt2.jpgWieder mal eine Bahnfahrt die lohnenswert ist erzählt zu werden. Wir stehen vor der schwerwiegenden Entscheidung auf der Fahrt von Payerbach/Reichenau nach Wien, nehmen wir den üblichen Zug oder den davor der öfter in Stationen durchfährt und sicher um 30 Minuten früher in Wien ist, den "Zauberberge" der dafür bekannt ist aus nostalgischem Zugmaterial zu bestehen.

"Zauberberge" ist der Gewinner und nachdem der Zug knallevoll ist, entscheiden wir uns für den Speisewagen mit dem Flair von sehr frühen 70er Jahren. Darin stehen lose Tische, lose Stühle, allerdings durchwegs bequem. Der Speisewagen ist beinahe leer. Ein amateurhaft an die Wand geklebter Zettel, PC-Ausdruck, macht darauf aufmerksam, dass hier eine Konsumationspflicht besteht. Aber das war uns auch so klar, drum ist es ja ein Speisewagen.

Eine weibliche Bedienung die in etwa mit dem Höhepunkt des Waggons ihren Pensionsantritt hatte, optisch selbstverständlich, nicht altersmäßig, brachte uns zweimal Grünen Tee. Nach und nach füllte sich der Waggon, kurz zuvor schlossen wir während der wilden Ruckelfahrt noch ein Fenster und wurden von einem Herrn gegenüber darauf aufmerksam gemacht es solle doch offen bleiben, denn es wäre sonst zu heiß. Ich verneinte, denn es war zu laut und keinesfalls zu heiß und schloss es endgültig. Nein, zu Streit kam es nicht, der Herr gab auf und widmete sich weiter seinen Siedewürstchen. Davon abgesehen machte ich ihn darauf aufmerksam, dass gegen über das Fenster ohnehin noch offen sei. Dieses wurde 20 Minuten später von sehr alten Damen geschlossen, ohne Widerstand des Herrn, der sich mittlerweile einer genießerischen Weinseligkeit hingab.

Ein Stückchen weiter saßen drei Männer die wie extreme Trinker aussahen und ausnahmslos dem Mineralwasser in kleinen Flaschen zusprachen. Also werden sie vorher getrunken haben und bevor es heim zu den Ehefrauen geht, schnell noch wässern. Das war zumindest meine Philosophie hinter dem Gesehenen. Daneben bestellt wesentlich später ein sehr junger Mann einen "weißen Spritzer" und erhält diesen, erraten, in der vermuteten Mineralwasserflasche. Also doch das wonach sie aussahen, Trinker. "Sicher Bundesbahner wispert mir meine Begleitung zu." Und mir fallen wieder die beiden älteren Herren im Pensionistenheim meiner Großmutter ein, die beide bei den Bundesbahnen waren und beide aufgrund von extremer Trunksucht und den Auswirkungen daraus im Heim landeten. Aber bitte es gilt die Unschuldsvermutung und es soll an dieser Stelle unbedingt festgestellt werden, dass nicht alle Bundesbahner trinken. Bei Gott nicht und Buddha sei Dank.

Meine Begleitung meinte weiters, es würde ihn nicht wundern, wenn sich um Schlag Mitternacht die gesamte Versammlung im Speisewagen zu Zombies verwandeln würde. Unser Glück war allerdings, dass wir weit vor Mitternacht in Wien ankamen und die Verwandlung nicht mehr miterleben mussten.

Zum krönenden Abschluss fiel meiner Begleitung beim Ausstieg am Wiener Südbahnhof ein Papiersack unter den Waggon auf die Gleise. Er konnte von diesem selbst geborgen werden und sorgte nur so nebenbei für eine verdächtige Schamesröte im Gesicht. Och, ich denke mir man muss alles mal erlebt haben. - Auch Geisterfahrten mit kleinen Pannen.