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Verständnislose Gespräche |
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Unlängst hatte ich das Privileg in eines der besten Häuser Wiens zum Abendessen eingeladen worden zu sein. Ein Termin auf den man sich gut vorbereitet und sei es nur in einem erträglichen, nachmittäglichen Fasten, ein Minimalexkurs in Entbehrung.
Grundsätzlich schwor ich vor etlichen Jahren Geschäftsessen ab, nachdem ich nach den vielen Essen immer wieder feststellen musste, dass die Unterhaltung gut, das Ergebnis noch besser und ich zum Schluss überhaupt nicht mehr in Erinnerung hatte, wie die Speisenfolge beschieden war. Geschäftsessen ohne Essen also, ich war zwar irgendwie satt, aber ich hatte keine Ahnung mehr womit. Es erinnerte mich immer an ein Aufwachen am Morgen, man wusste, man hat geträumt, aber der Trauminhalt war einem nicht mehr erinnerlich und wenn man sich noch so abmühte, da kam nichts mehr.
Diesmal war alles anders. Erstens weil ich in der Geschäftspartnerwahl selektiv bin, zweitens weil wir ein gemeinsames Interesse hatten, eine gute Aktion zu kreieren von der jeder profitiert.
Gegenüber saßen zwei japanische Paare und sie unterhielten sich blendend, doch allein, wir konnten nichts verstehen. Und doch unterhielten sie sich blendend. Das ließ die Schlussfolgerung aufkommen, dass es nicht darum ginge was man sich zu sagen hat, sondern wie man es sich mitteilt. Die Japaner lächelten viel und lächelten retour und lächelten immer wieder. Obwohl sie sich nicht verstanden, entwickelte sich ein hervorragender Dialog und ein herrlicher Abend. Sie schienen sich gut zu verstehen und nur wir wissen, dass sie nur vorgeben einander zu verstehen. Purer Fake also.
Ich saß mit dem Rücken zu Edna. Einer 101 Jahre alten Amerikanerin. Sie kam allein zum Abendessen und entschuldigte sich beim Ober dafür, dass sie einfach zu müde gewesen sei um sich umzukleiden. Sie nahm Platz und bestellte sich unter anderem gleich zu Beginn einen Johnny Walker. Zwischendurch schien es ganz so, als wäre sie eingeschlafen. Ihre 101 Jahre lasteten ihr am Rücken und ließen sie entsprechend rund am Tisch sitzen. Allein. Der Umstand, sie allein essen zu sehen, allein vom Tisch aufstehen zu sehen um sehr klapprig wieder zu gehen, der Umstand signalisierte in mir Müdigkeit, Einsamkeit und ein gewisses Maß an Endzeitstimmung. Edna war müde und wollte rasch wieder gehen. Sie tat mir irgendwie leid, aber vermutlich war sie nicht mal so übel drauf, wer fliegt sonst mit geschätzten 101 Jahren nach Europa und vertritt sich in Wien die Füße. Durch den Ober wissen wir, dass Edna mit einer Gruppe von Amerikanerin in Wien ist. Gut für Edna, somit ist sie doch nicht allein. Es ist also nicht immer alles so wie es scheint.
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