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Schlimmer als befürchtet E-Mail

aboutpixel_de_ondrasch_zappa_.jpgMit welchen Gen-Defekten muss ein Mensch geboren worden sein, wenn es ihn rastlos ins Fernsehen oder in die Klatschspalten diverser Postillen drängt. Die nur dann einen guten Tag haben, wenn sie sich selbst über die Gesellschaftsseiten des Prints beim Frühstück beobachten können. Für sie offensichtlich ein erbauliches Gefühl, so auf du und du mit sich selbst zu sein.

Eines war mir nach unserem Drehtag für "Schöner leben" sofort klar, TV-Schlampe werde ich keine. Blühen andere auf wenn ihnen das Rotlicht entgegenleuchtet und sie in angemessener Kürze halbwegs intelligente Dinge sagen sollen, blieb mir von Beginn an der magische Moment versagt. Es war wie eine Liaison ohne Gegenliebe, ich konnte mich von der Rotlichtgeliebten vis a vis nicht erwärmen lassen. Im Gegenteil, mein Verbündeter war die Uhrzeit, die mich wissen ließ, dass auch diese Verbindung nicht ewig währt.

8.00 Uhr, Wotruba-Kirche, die ja eigentlich "Kirche zur Heiligsten Dreifaltigkeit" heißt, aber selbst darauf hinzuweisen habe ich vergessen. Gerry Weinlich ist der Redakteur und konfrontiert mich mit einen Schwall von Fragen. Zusätzlich im Team, ein Kamera-Mann und Thomas für den Ton. Verschönert wurde ich nicht, das ist offensichtlich nur im Studio üblich. Peter natur.

Bei einer Außentemperatur von 2 Grad frieren wir erbärmlich und es fällt schwer nicht unmöglichst zu grimmassieren. So werde ich am 10.12. allseits erklären müssen, dass ich keinesfalls an Gesichtslähmung leide und ich vollkommen gesund bin.

"Und...  Kamera ab!"

Gerry Weinlich mag es dynamisch, so gehe ich jedes Mal ins Bild, nie darauf bedacht auch aufrecht zu gehen, wobei mir von ihm bezeugt wird, dass es so wirkt, als hätte ich bereits das riesige Kruzifix der Wotruba-Kirche am Rücken, nein, nicht so buckelig ging ich, sondern auffällig steif nach oben gerichtet. Ich gehe also auf den vorher sorgsam markierten Platz und beginne.. und beginne.. und beginne erneut. Es kommt nichts gescheites heraus und die Sätze in meinem Kopf schlagen Purzelbäume und lassen sich einfach nicht in Reih und Glied bringen. Eine durchaus übliche Problematik, wie mir durch das Filmteam liebenswürdigerweise bezeugt wird.

Es war mir eine Erleichterung zu sehen, dass es Alois Mader, dem Rutengeher um nichts besser erging. Auch er blieb hängen und redete, ganz wie ich zuvor, wirres Zeug. - Wie schön.

Weiter ging es zum Friedhof St. Marx. Dank Navigationssystem von Alois Mader fahren wir einige Ehrenrunden bevor wir ihn erreichen.

"Hier entlang befindet sich eine Energieautobahn." Werde ich in Bälde dozieren und von den Vorzügen des ehemaligen Friedhofs zu sprechen kommen. Gerry bittet mich immer wieder inständig etwas länger zu sprechen, mir fällt jedoch nichts passendes ein. Außer die Kamera ist gerade nicht an, dann geht mein Mundwerk, als gäbe es kein morgen. Davon abgesehen dachte ich mir, wozu länger zu werden, es wird dann sowieso nur geschnitten und ich hätte es natürlich auch in einem sprechen müssen, was ich sowieso als absolut undurchführbar hielt.

Grinzing war der nächste Aufnahmeort. Es beginnt zu schneien und wird noch etwas kälter. Ich zittere wie Espenlaub, die Kälte macht uns alle narrisch. Während das Filmteam vom Kahlenberg versucht ein paar Wien-Schüsse zu ergattern, sitzen Alois Mader und ich in Grinzing beim Essen. Warm wird uns auch hier nicht, denn der Sonderraum war nicht beheizt. So ein Zufall aber auch.

"Sag irgendwas über Grinzing." Lautete die konkrete Anweisung von Gerry Weinlich und ich verfalle augenblicklich in eine panische Wühlsituation, durchforste meine Archive im halb zugefrorenen Kopf zu Themen aus Grinzing, lächle, das rasch getrunkene Achtel zeigt seine Wirkung, und deute auf den Heurigen hinter mir und plappere darauf los um mit einem an das Team gerichtete "besser wirds nicht" wieder zu schließen.

Zweiter Drehort in Grinzing ist eine Kapelle neben der Straße, wo schon damals Schubert seine Kompositionen auf Hochglanz brachte, denn er wusste die musischen Energien dieses Ortes wahrlich zu schätzen.

Der Naschmarkt bildet den Abschluss und von vielen Leuten beglotzt höre ich mich sagen, was denn der Naschmarkt nicht für ein multikultureller Kraftort sei. Alois fuchtelt noch etwas mit seiner Stahlrute herum und setzt dem ganzen einen seriösen, wissenschaftlich anmutenden Charakter auf und wir sind mit den Kräften am Ende und für diesen Drehtag fertig.

Ich werde auf alle Fälle versuchen bereits im Vorfeld eine DVD mit der Sendung zu erhalten, um herauszufinden ob ich mich am 10.12., nach der Ausstrahlung, noch als Peter Beck zeigen kann oder ob ich mir am besten für einige Tage eine neue Identität zulegen sollte.

Aber wie schon erwähnt, TV-Schlampe werde ich keine.