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So einen extremen Sturm, inklusive Gewitter, wie heute hatte ich ja sehr lange nicht erlebt. Erwerbstechnisch bedingt in Inzersdorf / Wien angesiedelt, in einem riesigen Druckzentrum, konnten wir gegen 16.45 sehr genau beobachten wie eine riesige Wand aus einem Gemisch von Wolken und heftigen Regen auf uns zukam. Frau und Herr Grafiker bezogen an den Fenstern Stellung und fotografierten den herannahenden Weltuntergang, der sich letztendlich Buddha sei Dank nicht als solcher erfüllte. Aber für gute Fotos reichte es alle mal.
Darf ich den Ausführungen der grafischen Abteilung Glauben schenken, so kamen aus mehreren Richtungen diverse Wolkenfronten auf die Stadt Wien zu.
Interessant waren die vielen kleinen dichten Bäume, die mit ihren Kronen wie wild um sich schlugen als würden sie sagen wollen, "geh weg Du Wind". Sie dürften entsprechend verzweifelt gewesen sein, denn sie schlugen sehr lebhaft um sich.
Unser Krokodil begegnete mir am Gang, ich mit einer kleinen roten Gießkanne in der Hand, nein, nicht um den Sturm einzufangen, sondern um mich auf mein Wochenende vorzubereiten und nochmals die Pflanzen ordentlich einzugießen.
Aufgeregt meinte sie: "Vor dem Haus hat es schon einen Baum umgeworfen."
Besserwisserisch retournierte ich: "Ich weiß, das passierte aber schon letzte Woche."
Noch bestimmter sie: "Nein, das ist von jetzt, weil er liegt ja noch da."
Und nachdem ich beinahe immer das letzte Wort haben muss, ich nochmal eines drauf: "Werden wohl viele Bäume heute bei dem Sturm gestorben sein."
Auch gut, denke ich mir gleichzeitig, das Krokodil hat immer Recht, wird also schon stimmen. Diesmal hatte sie tatsächlich Recht, der Baum lag noch halb auf der Straße und war wesentlich größer als der Baum der letzten Woche. Wenn es so weiter geht, gibt es schon demnächst keine Bäume mehr in unserem Gebiet. Dabei soll laut Flächenwidmungsplan einiges davon herumstehen. Hört man.
Ich verzögerte meine Abreise so lange es mir möglich war, nachdem ich allerdings eine geschäftlich geschäftige Veranstaltung im Hotel am Stephansplatz hatte, musste ich letztendlich mitten im ärgsten Wind und Regen weg, rennend erreichte ich die Bushaltestelle und dank einer Bus-Verspätung von satten 10 Minuten hatte ich noch das große Glück ein wenig der Naturgewalten unmittelbar mitzuerleben. Und wer von den Planern glaubt eine Bushaltestelle gibt mit diesem Dach Schutz bei heftigem Regen, der irrt gewaltig und hat es noch nie selbst versucht.
Natürlich hatte die U6 wieder eine Störung und damit verbunden gewaltige Verspätung. Ich kam wesentlich später am Stephansplatz an und amüsierte mich über die Optimisten, die schon auf der Rolltreppe zum Platz hochfahrend an ihren Schirmen hantierten, sie aufspannten und dann recht verdutzte Gesichter machten, als sie innerhalb von wenigen Sekunden nur noch Schirmbruchstücke in den Händen hielten und sich selbst mit diesen noch zu schützen versuchten.
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