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"Gott zum Gruße!" ich blicke mich um und suche die freundliche, etwas dünne Stimme die mich grüßt, wenn auch in Unkenntnis meiner Konfession, denn richtig wäre vielmehr "Buddha zum Gruße!"
"Gott zum Gruße!" und wieder blicke ich mich um und suche nach der geheimnisvollen, nach wie vor nahezu aufdringlich freundlichen Stimme. Ein wenig fühle ich mich wie Alice im Wunderland, mit dem Unterschied, dass mir die Raupe mit der Pfeife verwehrt bleibt.
"Gott zum Gruße!"
Ich verliere allmählich meine Contenance blicke mich ein wenig hektischer in der Gegend um und versuche zwischen den Bäumen jemanden auszumachen. "Nun zeigt Euch doch endlich!" rufe ich zwischen zwei mächtigen Fichten ins dunkelste Eck.
"Seht Ihr mich denn nicht? Hier oben bin ich, blickt doch einfach nach oben! Hier bin ich!"
Ich tue was mir empfohlen, blicke steil nach oben und sehe dort auf einem ausladendem Ast ein merkwürdiges Männchen sitzen. Es blinzelt etwas nervös herab, grinst zaghaft und fährt fort: "Was macht Ihr hier in meinem Wald, Ihr könnt da nicht einfach herummarschieren und so tun als wäre er der Eure." Ich reibe verdutzt meine Augen, blicke nochmals nach oben und sehe noch immer das Männchen hoch oben sitzen.
"Entschuldigt bitte, aber seid ihr der Grundstückbesitzer? Wenn ja, dann steht es Euch zu mir den Zutritt zu verwehren. Wenn auch Euch dieser Wald nicht gehört, dann lasst mich in Ruhe die Stille hier genießen und schweigt." Ich bin über die Eigenwilligkeit des Wesens 4 Meter über mir etwas erstaunt.
"Der Wald gehört uns und es spielt doch überhaupt keine Rolle wer Papiere hat die besagen, dass er demjenigen gehört. Der Wald hat schon immer uns gehört. Lange bevor ihr Menschleins hier begonnen habt ein und aus zu gehen. Maschinen können wir stören, aber was sollen wir mit einsamen Spaziergängern wie Euch machen? Erschrecken? Das hat früher geklappt, heute fürchtet man sich ja vor nichts mehr. Ach aufgeklärte Welt. Alles ist erklärbar, also bleibe ich sichtbar, hoch oben sitzen und versuche es auf diese Art. - Aso verschwindet von hier und lasst uns gefälligst unsere Ruhe."
"Ihr seid herrlich freundlich und direkt. Glaubt ihr nicht, dass ich hinauf zu Euch kommen und Euch am Bart zupfen könnte?"
Das Männchen spukt auf mich herunter: "Bleibt mir vom Leibe, Euch ist wohl nichts heilig. Es ist unser Wald, verschwindet ... es ist unser Wald, verschwindet ... es ist unser Wald, verschwindet..." die Stimme wird immer dünner und das alte, griesgrämige Männchen ist verschwunden.
"Und das nächste Mal begrüßt mich mit Buddha!" rufe ich ihm noch hinterher und gehe etwas verwundert meinen bereits eingeschlagenen Weg weiter.
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