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Sie ist wieder da, die Zeit der unendlichen Gefühle. Man fühlt sich plötzlich wieder absolut beengt und will an die frische Luft. Gern wird entzückenden Nachbarn zugezwinkert. In den Spiegel smart lächelnd stellt man fest, dass es morgens bereits draußen viel heller ist als noch vor wenigen Tagen. Der Frühling ist da.
Nun bin ich gesegnet in einem südseitigen Büro mit sehr viel Sonne sitzen zu dürfen und dafür auch noch bezahlt zu werden. Licht, Licht und nochmals Licht. Depressionen gibt es südseitig nicht, auch wenn ich mich gelegentlich fühle, wie ein Mann der Galeere - immer fest rudern und nicht nachgeben. Bumm, bumm, bumm - die Trommel gibt des Takt vor und wir ziehen mit, um am Ende des Monats mehr oder weniger fürstlich entlohnt zu werden. Besser als damals, da gab es nur Knoblauch und trockenes Brot. Am Abend hatte ich zwar auch Knoblauch, aber mit Butter und Käse oder von einer guten Freundin meines Ehegespons geschenkter Kaviar, der keiner ist. Irgend ein Algenerzeugnis das, wenn man darauf beißt, mindestens genau so knackt wie echter Kaviar, hat sogar die Farbe dessen. - Ist aber nur Alge, aber vermutlich schrecklich gesund mit vielen Mineraltstoffen und dergleichen. Veganer-Geschenke die sich gelegentlich in den Kühlschrank verirren.
Zurück zum Büro. Wenn die Sonne so hineinknallt und das Feeling auf gefühlte 40 Grad hochpeitscht, dann erlahmen die Geister und alle Glieder, der Kopf macht schlapp. Hätte ich nicht stets Grünen Tee an meiner Seite, fände man mich vermutlich immer wieder mit dem Kopf auf der Tischplatte - natürlich scharchend - denn ruhig schlafen kann ich angeblich nicht. Sagt zumindest mein Ehegespons. Und nachdem die Nase am "P" ruht, befinden sich im offenen Word-Dokument lauter große "P´s" und der PC piepst ganz aufgeregt weil die Seite längst voll ist und noch immer "P´s" gedrückt werden.
Wir sind in unserem Büro bereits im Frühling gezwungen, zumindest zeitweise, die Sonne mittels Jalousien hinaus zu sperren um nicht gänzlich zu verbraten. Ganz anders als die Kollegen von der Nordseite, die noch immer in ihren opulenten Pelzmänteln vor den PCs sitzen und halb angefroren ihre Arbeit verrichten. Wir haben viel mehr Sonne, Hitze, Licht und sind ein Büro, frei jeglicher Depression. Bei uns ist es in der Regel lustig. Auch außerhalb dieser.
Besagter Frühling holte heute auch meinen Ehegespons ein. "Wir müssen heute unbedingt walken gehen." hieß es im Wortschwall von Überenergie.
"Ja, mache ich gerne. Meine Glieder sind zwar durch die Hitze matt und zäh, aber man soll sich ja bewegen. Ich bewege mich sehr gerne mit dir."
Mein Ehegespons zog sich, einige Minuten später als ich zuhause angelangt, eine Trainingshose an und ein dazu passendes sportliches Jäckchen. Ich wiederum ging wie ich von der Arbeit kam mit und konnte ganz gut Schritt halten - ganz in schwarz.
"Nein, in der Trainingshose bringt mich niemand auf die Straße. Ich bin ja kein Kasperl." versuchte ich noch meinen Standpunkt kurz zuvor zu verteidigen, weil ich im Rausch der Frühlingsgefühle dazu aufgefordert werde auch sportliches Outfit anzulegen. Ich hoffte inbrünstig mit meinem sportlich erscheinenden Pendant Schritt halten zu können. Dabei hatte ich noch so viel mitzuteilen. Es ging sich allerdings alles wunderbar aus. Der resche Schritt und meine nicht enden wollende Mitteilsamkeit. Im Alten AKH angelangt ließ ich meinen Ehegespons Runden rennen. Wie einen jungen Hund der seinen Auslauf benötigt. Diese Zeilen mögen von meiner besseren Hälfte nie gelesen werden. Sonst befinde ich mich eventuell im Erklärungsnotstand.
"Natürlich ging ich sehr gern mit dir mit. Ich finde auch garantiert nichts daran in der Stadt in einer keinesfalls von Buddha gegebenen Geschwindigkeit zu gehen. - Du misstraust mir? Komm - wir gehen Powerwalken!"
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