Gibt es ein Leben nach dem Büro? Diese Frage stellt sich gelegentlich so intensiv, wie die der in Frage zu stellenden Fortsetzung nach dem Tod. Zumindest ist ein eventuelles Leben nach dem Büro etwas eigenständiger zu aktivieren als das selbe nach einem Ableben. Denkt man für gewöhnlich.
Gibt es ein Leben nach dem Büro? Liebend gerne, wenn die ausgelaugten Körper es zuließen und sie sich nicht mit letztem Aufbäumen in die Öffentlichen Verkehrsmitteln, genannt Wiener Linien, schleppen müssten. Dort starren müde Augen bestenfalls mit starrem Blick aus den Fenstern oder auf des Nachbarn Pickel. Schlechtestenfalls nicken die modernen Sklaven der ausbeuterischen Wirtschaft bereits während der Fahrt nachhause ein und nicht erst vor dem Plasma-oder LCD-TV-Gerät und der 1245. Folge von Charmed und Co.
Berufskollegen spritzen sich spätestens kurz vor dem täglichen Abgang aus der Firma intravenös eine gute Dosis Red Bull, um den Abend beschwingt auf der nächsten Tanzfläche eines After-Business-Clubbings auszutoben. Dort lernen sie eine noch unbekannte Körperflüssigkeitenaustauschmöglichkeit kennen um sich sehr rasch mit ihr oder ihm zurückzuziehen. Die Dosis Red Bull könnte nachlassen und der Schuss gehört gesetzt bevor die Muskeln in den müden Schreibtischkörpern vollends erschlaffen. Wie war nochmal der Name? Egal, ist sowieso morgen wieder vergessen. Kein Drive, kein Thrill, nur gähnende Langeweile.
Oder doch lieber Träume vor dem Plasma-oder-LCD-TV-Gerät, um sich Stunden später mit kaputtem Kreuz und den allerletzten Reserven in das Bad zu schleppen, das Notprogramm zu verrichten? Die Kollegen mit ihren Dritten haben es bequemer, einfach raus, Döschen auf, Tablette und Beisserchen hinein. Künftig wird auf Kontaktlinsen verzichtet. Die Brille wird abgenommen und bestenfalls noch weggelegt. Schlechtestenfalls fällt sie einem im Bad aus der Hand und landet bestenfalls am Badvorleger, schlechtestenfalls daneben und zerbricht. Ist sie eben auch hin. So wie die elektrische Zahnbürste letzte Woche, als sie im Tiefschlaf zwei Zentimeter neben den Badvorleger fiel und in drei Teile zerbrach. Wiedersehen, mühelose Zahnhygiene. Seit einer Woche wird geschrubbt, immer rauf und runter und nicht seitlich, Helmi hat es vor tausend Jahren der halben Nation ganz genau erklärt. Wieso man beim Zähneputzen einen Helm aufsetzen muss, wusste damals niemand. So entstand eine ganze Generation österreichischer Kinder mit Zahnputzhelmen. Die meisten leben jetzt mit zu kleinen Köpfen, weil ihre Eltern vergessen haben die Helme nach dem Putzen wieder abzunehmen.
Eine Initiative "Schlafen am Arbeitsplatz" sollte in die Wege geleitet werden. Es muss doch erlaubt sein, während der Woche im Büro zu schlafen. Dann würde man sich das Clubbing, das schlechte Fernsehprogramm und die Unfälle vor dem zu Bett gehen sparen. Und man könnte länger arbeiten. Damit wäre doch jedem geholfen.
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