header image
Home arrow Blog arrow Trauerweiden
Trauerweiden E-Mail

photocase_de_mella_46bu4ere2.jpgUnd nun schmiegen sie sich im sanften Wind hin und gemächlich zurück und wieder und wieder. Die sanften, immer wiederkehrenden Windwirbel zupfen unaufhörlich an den Ästen der Trauerweiden  als wären sie deren Geliebte. Als verlangen sie ihr Quäntchen an Aufmerksamkeit und viel mehr.

Dieser Tage sind die Trauerweiden noch ein bisschen mehr von der Trauer getragen, lassen die Äste noch einige Zentimeter tiefer hängen, um noch deutlicher zum Ausdruck zu bringen wie sehr sie an der Bürde des Lebens zu schaffen haben. Zumindest in Kärnten, dort tragen sie Landestrauer, nein, Staatstrauer. Seit diesem unsäglichen Unfall mitten in der Nacht, seit es die Kiebitze von den Dächern pfiffen, seit dem wissen sie darum und tragen noch sichtbarer Trauer.

Die orangen Tücher wurden über Nacht durch frisch gestärkte, schwarze ausgetauscht, jeder beißende Spott an Asylantenohren ist mit einem Mal verstummt, die Trauer summt unaufhörlich ihr Mut machendes Lied und hofft auf einen bösen Irrtum, denn so grausam kann die Wahrheit nicht sein. So grausam nicht. Und doch stimmt es genau so wie es die Kiebitze von den Dächern pfiffen. Totalschaden auf allen Ebenen. Das hat er sich keinesfalls verdient, nicht so abrupt aus dem Leben gerissen zu werden, ohne jemals die Chance auf Wiedersehen gesagt zu haben. Vieles bleibt offen. Hätte ihn das Alter noch milder gestimmt, noch milder als er es vielleicht in den vergangenen Jahren spürbar getragen hatte? Vieles bleibt für immer offen.

Ein Abgang mit Pauken und Trompeten. Kommentare meinen, so wie er lebte, so ging er von uns. Kann schon sein, aber eines ist gewiss, hätte er den Zeitpunkt bestimmt, wäre es garantiert nicht dieser gewesen. So viel blieb noch offen, offen in der Familie, offen in seiner persönlichen Lebensplanung. Diesen Punkt wollte er so keinesfalls gesetzt wissen und doch meinte das Schicksal es wäre genug. Punkt. Die Trauerweiden hängen seit dem noch tiefer und lassen sich in ihrem stillen Leid von den sanften Windwirbeln trösten.