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Geheimnisvoller Tränenbaum E-Mail

baum1.jpg Vor einigen Jahren bekam ich von einem Bekannten einen Tränenbaum geschenkt. So weit ich mich erinnere war er maximal 40 cm hoch und noch recht dünn und kümmerlich. Wie es Tränenbäume an sich haben, so sie gut gepflegt werden, legen sie jährlich um mindestens das doppelte zu. Dieser tut dies beharrlich bis heute.

Das Klima in meinem Büro dürfte dem Tränenbaum gut tun. Jährlich so gegen April treibt er von neuem aus, wächst auf mindestens die doppelte Größe des Vorjahres an, entfaltete sein Blätterdach und bleibt so stehen bis in den späten Herbst. Die einzige Veränderung ist eventuell noch die Krone die immer auf der Suche nach dem meisten Licht ist. Gegen November werden die Blätter etwas welk und irgendwann kippt die Pflanze um und stirbt. Dann ruht sie mindestens weitere vier Monate um aufs neue auszutreiben. So man den Tränenbaum umtopft, findet man eine große Knolle und rundherum lauter kleinere Knollen, das sind die Kinder. Nur ein einziges davon konnte ich bisher aufziehen, die anderen ruhen und sind nach wie vor am überlegen ob sie den Sprung in die Welt wagen sollten.

In der aktuellen Wachstumsperiode kippte der Tränenbaum erst im Dezember um und trieb im Januar bereits wieder aus. Ich bekam die Panik und rief den Tränenbaum-Spender an um den Grund zu hinterfragen. Nein, die Knolle ist nicht aus der Erde und sie steht auch nicht kühl. Es spricht also alles dafür, dass er einfach nicht erkennt, dass es noch eine Pause gäbe.      

Hmm ...   er war mindestens so ratlos wie ich und nachdem ich das bemerkte, beendete ich das Telefonat sehr rasch.

Ich las zwischenzeitlich etwas Literatur, topfte den Tränenbaum um und wusste sehr bald, dass es diesmal eine Blüte und kein Bäumchen ist. Heissa, ich bin mit einem blühenden Tränenbaum gesegnet. Auch diese wächst wahnsinnig rasch in die Höhe, irgendwann wird sie sich öffnen und angeblich beginnt sie spätens am vierten Tag kräftig nach Aas zu stinken an. Bis dahin muss ich mir einen vorübergehenden Standplatz überlegen. Ich knüpfte aus diesem Anlass bereits gute Kontakte zu unserem Portier, sprach den Haken der Sache jedoch noch mit keiner Silbe an. Möglicherweise weiß er einen geeigneten Platz, wenn er die arme Pflanze schon nicht in seiner Portierloge akzeptieren möchte.

Ich könnte natürlich das Ding auch meinem Ober- Ober-Chef schenken und darauf warten bis es nach Aas zu stinken beginnnt. Sobald er den Geruch wahr nimmt, wird ihn entsetzliche Panik und ob seiner umfangreichen Verkörperung ein unvorhergesehener Herzschlag ereilen. Im Zuge der Auflösung der Verlassenschaft werde ich Stein und Bein beschwören, dass der Tränenbaum nie und nimmer ein Geschenk, sondern maximal als liebevolle Leihgabe eines ergebenen Mitarbeiters gedacht war.