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ULF der Gewalttäter E-Mail

lichtbildmaler_sado_maso_aboutpixel.jpgKürzlich lernte ich einen Mann kennen, der genauso hieß wie die neue Generation unserer Straßenbahngarnituren, nämlich ULF. Das heißt ich hörte von ihm, sah ihn nicht und nahm gegenüber meiner Gesprächspartnerin sogleich den „ULF-Faden“ auf. Sie fand es übrigens keinesfalls so witzig wie ich.

ULF beschäftigt mich beinahe so sehr, wie das Klimaanlagenaggregat unseres Lichthofes, das mich seit eineinhalb Jahren, jeden Sommer, vor dem Einschlafen in gleichmäßiger Aufdringlichkeit penetriert. Bei geöffnetem Fenster, versteht sich. Besagte ULFs nehmen dem Fahrgast das letzte Stück Würde, indem es unmöglich gemacht wird aufrechten Ganges von einem Sitzplatz zur Türe zu gehen oder umgekehrt. ULF legt nahe in leicht gebückter Haltung, zwecks besserer Erdung, und in permanenter Umklammerung eines Haltegriffes, solcherart gesichert, Bewegungen innerhalb des Zuges zu vollziehen, denn seit es ULF gibt, fliegen mehr Menschen den Halt verlierend durch die Fahrgastzellen als je zuvor.


Was früher ausschließlich auf Straßen überquerende Fußgänger ausgelebt werden konnte, in der Partnerschaft oder im Swingerclub, ist Dank Joystick nun auch im Straßenbahnzug möglich. Die Mitarbeiter der Wiener Linien haben es doppelt gut. Sie leben ihren Sadismus im Job aus und werden dafür auch noch ganz passabel honoriert.


Bei mindestens 8 von 10 Fahrten hätte ich kurz vor dem Ausstieg das ausgeprägte innere Bedürfnis, den Fahrer auf seinen rücksichtslosen, sadistischen Fahrstil anzusprechen. Aber was bringts, vermutlich würde er mich verwundert ansehen und mir antworten:


„Hearst Oider, wenn’s dir nicht passt geh zu Fuaß!“ oder so ähnlich.


Intervention muss von oben beginnen, vor allem bei den Wiener Linien. Also werde ich der SPÖ beitreten, mit dem Parteibuch in der Hand nach Erdberg fahren, um in der dortigen Zentrale dem OberULF einen Besuch abzustatten. Ich werde ihn freundlichst mit dem in Wien üblichen „Grüß Sie“ begrüßen, ohne zu vergessen ein verbindliches „Genosse“ anzuhängen. In der ihm zuwinkenden Hand befindet sich gut sichtbar das druckfrische Parteibuch.


Der OberULF hat für mein Anliegen vollstes Verständnis und ist ebenso wie ich der Meinung, seine Mitarbeiter hätten ihren Sadismus von nun an ausschließlich in ihren Partnerschaften und gegebenenfalls im Swingerclub auszuleben. Letzteres selbstverständlich ohne öffentliche Förderungen, wo kommen wir denn sonst hin. Auch er ist meiner Meinung, es müsste eine Form des Personenschutzes innerhalb der ULFs installiert werden, wonach Fahrgäste einer Art Roter Liste zugeführt werden um sie künftig vor akrobatischen Stürzen zu schützen.


Ich war äußerst zufrieden in einem kurzen Gespräch von nur 30 Minuten so viel erreicht zu haben. Ließ mir zum Abschied väterlich auf die Schultern klopfen, winkte nochmals mit dem neuen Parteibuch und verabschiedet mich mit einem herzhaften:


„Glückauf Genosse!“


In den vergangenen Tagen merkte ich noch keinen Unterschied in den jeweiligen nach wie vor vorhandenen, sadistischen Fahrstilen der ULFs, aber es kann nur daran liegen, dass es eben einer gewissen Zeit bedarf, bis die Informationskette über den Abbau des Sado-Wesens vollständig geschlossen ist. Genosse OberULF hat schließlich auch nur zwei Hände.