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Nils Holgersson in Illmitz E-Mail

photocase_de_tyko_881314872.jpgUnlängst erhielt ich eine freundliche Einladung des Illmitzer Bürgermeisters, in wenigen Wochen den "Nils Holgersson-Preis" in Silber entgegen zu nehmen, so ich geneigt sei dieser Ehre nach zu kommen. Und wie ich geneigt war. Wann bekommt man schon einen Preis der einen mit nicht enden wollender Rührung an die eigene Kindheit, beziehungsweise viel eher an das damals noch funktionierende Kastln namens ORF erinnert.

Also ließ ich dem Bürgermeister eine ausführliche Mail zukommen, dass ich mich natürlich über die außergewöhnliche Ehre freue, noch dazu, wo mir Nils Holgersson in äußergewöhnlich guter Erinnerung sei. Weiters wollte ich wissen, was mit der Verleihung des Preises verbunden sei und wer denn den "Nils Holgersson-Preis" in Gold bekäme.

Es dauerte keine Stunde und ich erhielt die knappe Antwort des Bürgermeisters.

Lieber Herr Beck,

wir freuen uns, dass Sie den Preis annehmen und verbinden traditionellerweise mit dem Preis einen abenteuerlichen Flug mit den Graugänsen. Wer den "Nils Holgersson-Preis" in Gold bekommen wird, kann ich Ihnen leider noch nicht verraten. Die Preisträger bleiben bis zum Tag der Verleihung geheim. Wir bitten um Ihr Verständnis.


Klar hatte ich Verständnis es ging ja nicht anders.

Am Tag der Preisverleihung ließ man mich durch eine Edellimousine, inklusive Champagner, in Wien abholen. Da ich nicht wusste wann der Flug mit den Graugänsen stattfinden sollte, nahm ich sicherheitshalber meine Lederkluft mit, weiters einen antiquierten, aber fantastischen Lederhelm, eine noch ältere Motorradbrille die mir vor tausend Jahren Luchino Visconti als rührende Morgengabe überbringen ließ. Zu guter letzt nahm ich eine kleine Pistole mit, die mir zum Abschießen von Leuchtmunition dienlich sein könnte, falls, ja falls etwas zwischen den Graugänsen und mir schief gehen sollte. Man weiß ja nie und sollte alle Eventualitäten mit einbeziehen, auch die, dass es am Tag der Verleihung zu keinem Flug kommen sollte.

In Illmitz angelangt empfing mich und meine Begleitung, nämlich die Lederkluft, ländliche Blasmusik mit Pauken und Trompeten. Resch, sehr resch, besser als Koffein. Ich war im Nu hellwach und konnte aufmerksamst jedem der es wollte die Hand schütteln. Da der Chauffeur besser gekleidet war als ich, wollte man ihm die Hand reichen und stellte mir interessierte Fragen zur Limousine die ich achselzuckend quittierte.

Wenige Minuten später wurde ich vom werten Kulturattaché abgeholt und vor das Gemeindeamt begleitet. Dort wurde mir in einer ewig langen Zeremonie der "Nils Holgersson-Preis" in Silber verliehen. Neben mir, in Gold stand ...  Der Liebling aller Schwiegermütter... naja, jetzt auch nicht mehr, aber noch vor wenigen Jahren. Alfons Haider stand neben mir und schwang seinen Preis in die Höhe, nahm mir beinahe jede Bewegungsfreiheit und stieß mich letztendlich doch mit Routine vom Podest. Nebenbei vernahm ich jedoch, dass er wesentlich weniger beliebt war als er im Zuge der Preisverleihung das Publikum glauben ließ. Diese Erkenntnis nützend, schwang ich mich wieder auf den Podest und stieß ihn vor das Volk. Das anschließende Bild fand sich in allen Zeitungen des Burgenlandes. Ich am Podest mit DEM "Nils Holgersson-Preis" in der Hand, der in der wunderbaren Nachmittagssonne goldig glänzte.