|
Schwimmender Heiligenschein |
|
|
Gelegentlich trifft man im Verlauf seines Lebens Menschen, denen man sich spontan sehr verbunden fühlt, die einen nicht mehr auslassen. Als wäre man sich schon Tausende Male begegnet und als hätte man gemeinsam schon so manch Abenteuer erlebt.
Unlängst telefonierte ich mit einer sehr lieben Freundin, die durch eine zweijährige Beziehung als amtlicherseits nicht vollzogene Schwiegermutter in mein Leben trat. Dank eines neuen Tarifs eines großzügigen Mobilfunkanbieters war es uns nun möglich, in knappen 20 Minuten als große Plaudertaschen aufzutreten und wussten absolut befreit von jeder Last, dass wir keine einzige dieser anregenden Plaudertaschen-Minuten zu zahlen hatten.
Es ging unter anderem um eine über 30 km lange Wallfahrt und einem damit verbundenen Kollaps einer Teilnehmerin, die wohl um das Gewicht ihrer vielen Sünden wusste und dieser Last nicht länger standhalten konnte. Wallfahrende Beobachter würden meinen, der Ablass kam wohl um etwas zu spät. Vielleicht war der Zusammenbruch auch eher wie das Fegefeuer zu sehen, zuerst das kurze heftige Leid und dann erst der Ablass. Nachdem der Dialog nach oben meist als ein sehr einseitiger zu sehen ist, wird sich der Ablauf beziehungsweise der Sinn des Ablaufes wohl nie so recht aufklären lassen. Der begleitende Pfarrer erhielt auf jedem Fall den Auftrag nach oben zu telefonieren und den Vorfall, beziehungsweise dessen Sinn für die Teilnehmer der Wallfahrt ein für allemal zu hinterfragen.
Durch die Wallfahrt und die damit verbundenen innigen Gebete wurde meine Freundin, ihren Glauben betreffend, in der Verbindung nach oben wieder so sehr aufgeladen, dass sie zur Zeit leuchtet, als hätte sie eine Glühbirne am Kopf. Meiner Meinung nach ist es keinesfalls ein hoch aufgeladener, energetischer Astralkörper, sondern vielmehr der oft zitierte Heiligenschein, wie ihn besonders gläubige Menschen unter uns ungefragt, einer himmlischen Ehrung gleich, übergestülpt bekommen. Meine Fantasie sah sie am Morgen im hauseigenen Schwimmbad hell erleuchtet schwimmen. Neugierige Nachbarn werden an ein Glühwürmchen denken, doch es ist der Heiligenschein, der je dunkler es ist, umso heller den zu begehenden Weg zeigt, selbst wenn es beim Schwimmen im Pool ist.
Der Plaudertaschentarif kam übrigens auch durch "oben" zustande. Der Herr ließ sie ihr Telefon auf das Gefährt legen und in Gedanken versunken fuhr sie los um wenige Sekunden oder Meter später mit einem der Hinterreifen über das Ding zu fahren. Damit war es hoffnungslos kaputt und der Weg frei für grenzenlose Kommunikation. Eine göttliche Fügung zum wahnsinnssparsamen Tarif. Was er sich allerdings vor ungefähr zwei Monaten dabei dachte als er sie die Brille in einer Kapelle liegen ließ, das wissen wir bis heute nicht. Denn dieser Schaden ließ bis zum heutigen Tag keinerlei Erkenntnis nach sich kommen. Die Brille war futsch, die Aufregung und Verzweiflung groß, mehr war da nicht. Auch einer der zahlreichen Fälle, nach dessen Ereignis man kurzfristig um ein Gespräch nach oben ansuchen müsste um den Sinn zu hinterfragen. Vielleicht war auch nur ein Knoten in der Leitung und es hätte die Brille einer anderen Person sein sollen. Vielleicht ist die Brille in der Kapelle auch nur verschwunden, weil sie irgendwo anders auf der Erde wieder aufgetaucht ist um einer fehlsichtigen gottgläubigen Person fortan nützlich zu sein, unmittelbare göttliche Entwicklungshilfe also. Wir werden es vermutlich nie erfahren, sollte es wider Erwarten doch noch zu einer sicheren Erkenntnis kommen, wird diese selbstverständlich umgehend veröffentlicht.
|