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Meine Villa in Jersey müssen Sie einmal gesehen haben. Ein Teil ist wunderbarer, alter Kolonialstil, nein, nicht nachgebaut, original. Dieser Teil wurde von einem wahnwitzig reichen Kohlemagnagen erbaut. Natürlich musste erst alles entrümpelt und entstaubt werden. Daran bauten wir dann den neuen, modernen Teil an, der Kontrast ist wunderbar, wie zwei verschiedene Welten und manchmal wohne ich für Wochen in der alten, dann wieder für Monate in der neuen Welt und ich könnte nicht sagen wo ich mich wohler fühle. Und meine Gäste können es sich täglich aussuchen wo sie übernachten, wenn sie es möchten.
Nachdem in beiden Gebäudekomplexen insgesamt 53 Badezimmer untergebracht sind, wird man sich wohl auch kaum in die Quere kommen, selbst wenn man es will, es gelingt einem einfach nicht. Wissen Sie, es hat schon angenehme Vorteile auf so großer Fläche zu leben. Man erspart sich den Fitnessraum, denn man macht über den Tag einfach auch so genügend Bewegung. Wenn es mir zu dumm ist, dann fahre ich auch mit dem Roller durch das Haus. Nicht einmal hätte ich beinahe jemanden vom Personal niedergefahren. Aber ich bezahle sie ausgezeichnet, dann sollen sie auch besser aufpassen. Immerhin bin ich hier der Boss im Haus.
Wie ich zu dem ganzen Geld kam? Geerbt nachtürlich. Ich selbst war ein einfaches, armes Mädchen aus der Schweiz. Mit 18 wurde ich als unschuldige Serviertochter in einem feinen Restaurant in Davos von einem älteren, äußerst zielstrebigen Amerikaner angesprochen und er verliebte sich noch am selben Abend in mich. Ich benötigte ein paar Abende länger bis mein Feuer für ihn brannte. Aber dann loderte es ordentlich und über viele Jahre. Er war mit einem luxuriösen Privatjet unterwegs und entsetzlich reich. Seine Eltern hatten Öl und Mineralstoffe in Unmengen. Als er 40 war, verkaufte er alles und legte sein Vermögen gut an. Seit damals war er Privatmann und managte nur noch sein Vermögen, das sich täglich weiter unaufhaltsam vermehrte.
Natürlich war der Altersunterschied nicht so einfach. Er war ja entsetzlich konservativ. Aber ich konnte ihn ein bisschen auf meine Seite verbiegen und er mich auf die seine. Aber alles in allem war es eine sehr gute Beziehung und wir waren bis zum letzten seiner Tage verliebt in einander.
Als mein Mann starb, vererbte er mir alles. Kinder hatten wir ja keine, die wollte er nicht und Verwandtschaft war auf seiner Seite auch keine vorhanden. Sie können es sich überhaupt nicht vorstellen wieviel Vermögen ich bekam, mehr als ich im Stande bin noch Zeit meines Lebens auszugeben. Nun bin ich auf der Suche nach einem Erben. Denn ich möchte das Geld nicht unkontrolliert jemandem überlassen den ich vielleicht nicht einmal kenne und dem Staat schon gar nicht.
Kommen Sie mich doch einmal in meiner Villa in Jersey besuchen. Sagen Sie mir wann Sie Zeit haben und ich schicke Ihnen meinen Jet. Sie werden mir doch keinen Korb geben, oder? Ich finde die Wiener ja so charmant. Guten Abend, bis bald!
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