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Ein hoher Grad des eigenen Wohlgefühls liegt jedem am Herzen. Eventuell mit Ausnahme des Fetischsektors, denn einem Masochisten verlangts wohl ganz nach dem Gegenteil. Wo andere schnurren wie ein zufriedenes Kätzchen, geht der Masochist an der vollen Futterschüssel ein und verlangt nach Drill, Schimpf und Schande. Schnurrend wird er erst wenn wir schon längst flach auf der Erde liegen und davon träumen, dass der uns malträtierende Kelch bald vorüber geht.
Unlängst wurde ich von einem Ohrenarzt gefragt wie ich mich jetzt fühle. Ich hebe die Achseln, sehe ihn für einige Sekunden an, lächle unschuldig und entgegne ihm, wie man sich eben so fühlt in der Ordination eines Arztes. Dieser wollte hingegen vielmehr fragen, ob ich mich nun vom Ohrgefühl her besser fühle als vorher. Das musste ich allerdings zu seinem Kummer verneinen. Ich fühlte mich gleich wie vorher.
Den Termin machte ich mir nur aus, weil ich in der Vorwoche einen "Pfropfen" im rechten Ohr spürte und wenn ich mir mit dem linken Zeigefinger das linke Ohr zuhielt, da merkte ich, dass ich alles nur duch einen Wattepack wahrnehmen konnte. Beethoven fiel mir sofort ein. Nun war es auch bei mir so weit. Ich ertaube und werde bald am rechten Ohr nichts mehr hören. Zum Unterschied von Beethoven werde ich mir jedoch eines der modernen Hörgeräte kaufen und nochmals zum Unterschied zu meiner Großmutter, dieses auch tatsächlich benutzen. Sie behauptete ja immer der Krach wird noch lauter und wenn an ihr ein Traktor vorbei fährt, dann käme es ihr vor als wäre es ein Düsenjäger in nur zwei Meter Höhe. Nein, ein Hörgerät, nein, und lieber ließ sie es in der Lade vermodern bis die Batterien ausronnen. Aber ins Ohr kam es ihr nicht mehr.
Über die Tage wurde mein Gehörgang freier und die sich ankündigende Ertaubung trat nicht ein. Ich war plötzlich wieder gut hörend und vollkommen gesund. Was macht man mit einem Arzttermin wenn man ihn eigentlich nicht mehr benötigt? Hingehen oder absagen? Ich entschied mich für ersteres und betrachtete den Besuch als Service an den Ohren und schließlich wollte ich doch wissen woran ich an jenem Tag zu ertauben drohte.
Es ist ein kleiner Pfropfen der links und rechts unmittelbar am Trommelfell sitzt. Früher wurden besagte Verunreinigungen mit Wasser ausgespült, dabei wurde einem entsetzlich schwindelig als hätte man drei Viertel Blaufränkischen auf einmal hinunter gekippt. Dieser Ohrenarzt reinigt mit ansaugender Luft und holt so einen Überschuss nach dem anderen zu Tage. - Anschließend ging es zum Hörtest. Ich musste an Besuche im Haus der Musik denken wo sich Freunde über mich belustigten weil sie noch immer Töne hören konnten wo ich schon längst meinte da ist nichts mehr. Diesmal schien das Ergebnis des Hörtests ein gutes.
Danach musste ich noch ein zweites Mal auf den Eintritt zum Arzt warten und wurde gefragt wie ich mich jetzt fühle und ich antwortete wahrheitsgemäß, wie man sich eben in der Ordination eines Arztes so fühlt. Aber das glaube ich, fand wiederum nur ich witzig.
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