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Was ist wirklich E-Mail

photocase_de_lahja_4xqnp5652.jpgEines Tages gehe ich eine Straße entlang und sehe, wie ein junger Mann einen Kanaldeckel aufhebt, ihn sanft zur Seite schiebt, so sanft man das mit einem globigen Kanaldeckel eben machen kann - und im Kanal verschwindet. Der Deckel bleibt offen. Für viele Tage, denn ich komme an dieser Stelle immer wieder vorbei. Nun frage ich mich täglich was ist wirklich. Ist besagter Kanaldeckel tatsächlich geöffnet und in dem dunklen Loch ein Mann verschwunden oder bilde ich mir alles nur ein?

Wären wir in Rumänien, wäre diese Szene nicht abwägig, denn gerade in Bukarest verschwinden noch immer viele junge Menschen unter Kanaldeckeln, weil sie dort leben, besser gesagt vegetieren und an ihren Klebstoffen schnüffeln. Im Dunst ihres Klebstoffrausches erleben sie anschließend für wenige Minuten ein warmes Zuhause, eine sie liebende Mutter die nicht drogenabhängig ist und von der Prostitution leben muss und einen Vater der mit ihnen Gesellschaftsspiele spielt, nüchtern, und sie sanft anlächelt und nicht schlägt.

Vor Tagen ging ich mit Freunden in eine Marder-Farm und wir ließen die gequälten Tiere frei. Manche blieben verdutzt auf ihren Käfigen sitzen und wussten nicht wohin sie gehen sollten, auch sie hatten kein zuhause. Manche von ihnen zogen es vor wieder in ihre Käfige zu gehen. Sie wussten mit der plötzlichen Freiheit nichts anzufangen und fürchteten sich davor ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Viel lieber wollten sie ihr Futter regelmäßig vorgesetzt bekommen und den Tag "X" abwarten, an dem sie einen Eisenstab in den Hintern gesteckt bekommen und eine Eisenmanschette über den Schädel. Alles nur in Vorbereitung für den Stromschlag der kurz darauf folgen sollte. Für manche ist es leichter vom sicheren Ende zu wissen als die Ungewissheit der großen Freiheit auf sich nehmen zu müssen.

Der Ballon in dem ich vor Monaten stand und der gemächlich über die Bundeshauptstadt zog, vor mir die Abendsonne, hinter mir die beginnende Nacht in ihrem noch hellgrauen Schleier, sanft und kaum vorhanden. Unter mir die pulsierende Stadt, sofern Wien zu pulsieren im Stande ist. Wir verteilten Zucker überzogene Schokoladedrops, Namen der Produkte sollen aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht genannt werden. Es kommt doch einem widerlichen Wettbewerbsvorteil nahe, wenn man eine kostenlose Verteilung von Schokoladendrops von einem neutralen Ballon aus vornimmt und sie den Bürgern da unten auf den Schädel haut. Wir konnten sie ja nicht warnen. Wie hätten wir das auch tun sollen?

Macht den Mund auf und seht nach oben, in wenigen Sekunden kommen kostenlose Schokoladedrobs für euch. Oder: Hebt hoch eure Schürzen und fangt so viele Schokoladedrops wie nur möglich. Die Verteilung startet in wenigen Sekunden.

Nichts dergleichen geschah, die Menschen wurden von unseren Geschenken erschlagen und wir hatten einen ordentlich verdorbenen Abend, denn so hatten wir ihn uns nicht vorgestellt. Tue gutes und sprich darüber. Auch wenn es daneben geht?