Kalendarisch befinden wir uns noch im Sommer, wenn man allerdings hinaus sieht, ist davon nicht viel übrig. Gut, das Außenthermometer bezeugt zumindest bis heute Morgen die von vielen geliebte Jahreszeit. Mittlerweile hat es abgekühlt und ich sitze im Park unter einem Baum und warte nur darauf, dass das erste Blatt vom Herbst abgesäbelt wird und bräunlich verwutzelt zu Boden fällt um ebendort von Microorganismen zersetzt zu werden.
Kaum beginnen die Blätter zu Boden zu klimpern, nehmen die ersten Maroni-Brater Aufstellung und versuchen den vorüberziehenden Passanten weiß zu machen, dass wir bereits mitten im Winter sind. Sie unterstreichen ihre Versuche mit winterlichem Gewand und geben vor nicht zu schwitzen, schließlich sind wir mitten im Winter. Vermutlich werden auch in diesem Jahr 2 von 5 Maroni verwurmt und somit ungenießbar sein. Es gibt Standards auf die man schließlich zählen kann, wie die gekauften Würmer in Maroni-Tüten. Würde man alle aneinanderfädeln, die Würmer, nicht die Tüten, könnte man mit dieser Kette die Erde X-mal umspannen. Ein bewegender Versuch.
Es wird auch nicht mehr lange dauern und die ersten Weihnachtsdekorationen werden in diversen Schaufenstern zu finden sein. September oder Oktober mit etwas Weihnachtsstimmung vermischt hat schon etwas. Schließlich soll man als mündiger Konsument rechtzeitig daran erinnert werden, dass es Geschenke zu kaufen gilt und vor allem bitte großzügig zu sein, je mehr umso besser. Und je eher die Industrie ihre Moneten hat umso sanfter schnurrt sie.
Noch befinden wir uns jedoch im Spätsommer und nur noch knappe 3 Wochen, dann werden wir unseres Krokodils verlustig. Viele freuen sich darüber, ich sehe es mittlerweile sehr neutral. Reisende soll man nicht aufhalten, heißt es so schön oder in der Bewegung liegt die Veränderung. Wir sind gerade dabei Abschiedsgeschenke zu basteln. Am meisten Arbeit haben damit unsere GrafikerInnen. Meine Wortfindung "Krokodil" wurde eigens in einer Geschichte verewigt, sie soll schließlich nicht ganz in Vergessenheit geraten. Hoffentlich wird das Krokodil dadurch nicht an das besprochene, aber nie übergebene Pendant aus Plüsch erinnert. Ist viel zu kostenintensiv, es wird sowieso viel zu viel Geld auf der Welt verbrannt, dann müssen nicht auch noch Moneten für unnütze Plüschtiere in den Rachen der Industrie geworfen werden. Nun übte ich bereits an Plastilin um daraus Krokodile zu formen. Bisher allerdings ohne Erfolg, denn die Dinger sehen bestenfalls wie überdimensionale Spermien aus. Selbst wenn es grünes Plastilin wäre, käme der Beschenkte nicht auf die Idee soeben ein echtes Krokodil überreicht bekommen zu haben.
So wie jeder irgendwann dazu gezwungen ist sein Krokodil auszusetzen weil es ihm längst über den Kopf gewachsen ist, machen wir es in knappen drei Wochen diesen nach. Wir setzen es in der Medienlandschaft aus und werden es speziell in der ersten Zeit mit unseren Blicken neugierig verfolgen. "Schau mal, dort drüben schwimmt es!" Wen wird es in Zukunft den Oberschenkel kneifen, wo taucht es unter und wo wieder auf. Wir werden es beobachten.
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