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photocase_de_matjes_767155632.jpgVor einigen Tagen war ich im Kino und sah mir im Rahmen einer, vom Innenministerium veranstalteten, Retrospektive einen Film von Fred Zinnemann an. "The Search" oder in der synchronisierten Fassung "Die Gezeichneten" war die Geschichte eines im KZ traumatisierten kleinen Buben. Der Film war übrgens auch der Durchbruch von Montgomery Clift, er wurde im Auftrag eines Produzenten aus der Schweiz, zum Teil in den Ruinen Nachkriegsdeutschland gedreht.

Fred Zinnemann wurde in Wien geboren, maturierte an der Stubenbastei, wurde in Hollywood ein vielfach dekorierter Regisseur. Er erhielt fünfmal den Oscar und wurde für weitere sechs nominiert. Aber diese Details sollen keinesfalls die Hauptgeschichte dieses Blogs sein.

"The Search" - "Die Gezeichneten", der Film war erschütternd. Man sah den Kindern ihre Traumata an, da war nichts gespielt, das war die pure Angst, die ungeschminkte Verzweiflung, das pure Misstrauen. Wer weiß heute noch, dass nach dem Zweiten Weltkrieg knappe 1,5 Millionen Kinder durch Europa zirkulierten, auf der Suche nach ihrer Verwandtschaft. Dass jüdische Kinder über Italien nach dem damaligen Palästina geschmuggelt wurden, um sie dort so gut es ging unterzubringen. Von ihren Familien war in der Regel niemand mehr am Leben. Wie viele Kinder außerdem in den Gaskammern der Nazis umgekommen sind weiß man nicht. Manche von ihnen hatten noch nicht einmal Namen, weil sie ihren Müttern als Neugeborene aus den Armen gerissen und erbarmungslos getötet wurden.

Nach dem Film stellte ich mir die Frage, was ist wohl aus den 1,5 Millionen kleinen Menschen geworden. Haben sie in ein neues Leben gefunden, konnten die Traumata verarbeitet werden, waren sie in der Lage ein gutes, glückliches Leben zu führen, fanden sie Ersatzfamilien, Liebe, Schutz und Zuneigung? Wie viele von ihnen fanden nie mehr in ein richtiges Leben und waren für den langen Rest ihres trostlosen Lebens ruiniert. Wie viele konnten es nicht verarbeiten, dass die ganze Familie getötet wurde und nie wieder zurück kommt?

Ich stellte mir auch die Frage wie es den 1,5 Millionen Kindern in diesen Tagen als Alte ergeht. Es heißt im Alter kommen Traumata aus der Kindheit wieder so richtig zu Tage. Wer hilft ihnen jetzt, wer versteht ihre Situation und ist für sie da? Vieles wurde bereits von der Zeit zugeschüttet und unkenntlich gemacht. Vielleicht weil man vergessen hat ins Detail zu recherchieren um noch viel mehr für immer fest zu halten.

Fred Zinnemann wurde nur wenige Jahre vor seinem Tod nach Wien eingeladen und er lehnte die Einladung mit der Begründung ab, so lange es noch immer von der Öffentlichkeit geduldete Kameradschaftstreffen von ehemaligen SS-Männern gäbe, sähe er keine Veranlassung noch einmal in dieses Land zu kommen.

Und es ist ganz und gar nicht ausgeschlossen, dass die Gespenster der Vergangenheit wieder kommen. Noch immer wird von manchen Gruppen die Judenvernichtung, die Vernichtung von Benachteiligten und Minderheiten verniedlicht oder überhaupt geleugnet. Lasst uns mit unseren Fingern deutlich auf die Lager Mauthausen, Dachau und Auschwitz zeigen und laut rufen:

"Seht dort hin, riecht das Siechtum und den Tod von Millionen von unschuldigen Menschen und schweigt ein für alle mal."