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Das Glück ist ein Ei E-Mail

photocase_de_beene_4k5tfhbd2.jpgOftmals hängt das Glück an kleinen Dingen. Es muss kein Wahnsinnsurlaub sein, keine Yacht, keine Dachgeschosswohnung oder ein Winter im viel wärmeren Süden. Meist ist es die Perspektive aus der man sein persönliches Glück zu betrachten in der Lage ist und es groß oder ganz klein erscheinen lassen.

Warum ich das schreibe? Vor wenigen Tagen war ich wieder in meinem ehrenamtlichen Dienst im Hospiz am Rennweg und dort traf ich auf Frau L. Frau L. sehe ich inzwischen schon öfter und dieser Umstand ist wiederum sehr selten, bei einer durchschnittlichen Verweildauer von rund 18 Tagen, sieht man selten jemanden öfter. Wir unterhielten uns schon über viele Stunden und auch diesmal wollte sie unbedingt und sehr intensiv am Leben draußen teilhaben und so viel wie möglich von mir wissen. "Was gibt es Neues, was haben Sie erlebt?" sind dabei stets ihre Standardfragen, um mich und meine Erlebnisse anzubohren.

"Wissen Sie, ich kann schon nicht mehr in diesem Bett liegen. Ich habe keine Geduld mehr, am liebsten würde ich etwas sitzen wollen." Das Hospiz-Team ist in der Wunscherfüllung nahezu perfekt und auch dieser Wunsch wurde mit Hilfe von 4 Personen realisiert und Frau L. in einen rollenden Polstersessel gesetzt. Damit fuhren wir in die Hospiz-Küche, denn dort findet das Leben statt. Sie genoss es wirklich und dankte mir vielfach, lächelte mich dabei vergnügt an und es schien für einige Zeit so, als wäre sie wie im siebten Himmel. Nachdem sie weich gekochte Eier liebt und sie sich nichts sehnlicher als solche zum Abendessen wünschte, erhielt sie auch diese mit einem schönen Butterbrot. Frau L. ist leider nicht in der Lage allein zu essen, also war ich ihr dabei behilflich und daneben fand auch noch ein sehr nettes Gespräch statt. - Unter anderem erzählte sie mir, dass sie zum Beispiel früher, als ihr Mann noch lebte, mit ihm täglich ein weich gekochtes Ei zum Frühstück hatte.

Das ist die Perspektive von der ich eingangs schrieb. Wann genossen wir unser letztes Frühstücksei mit vollen Zügen und schlossen dabei vor Glück die Augen? Ich kann mich nicht daran erinnern. Es war zwar jedes Mal sehr lecker, aber so richtiges Glück empfand ich dabei jedoch nicht. Für Frau L. war in diesen Minuten das Glück perfekt und es ließ sie ihre Situation für gute Momente vergessen. Die Situation, dass sie mutterseelenallein, nahezu perspektivenlos, auf dieser Welt lebt, bewegungsunfähig und zu hundert Prozent auf fremde Hilfe angewiesen ist.