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Er berührte das Männlein und es erstarrte in der selben Sekunde zu einer grauen, unscheinbaren Salzsäule. Viele die an ihr vorbeihetzten, dachten an eine neue Skulptur, ein Stück öffentlicher Kunst, sie beachteten die Säule kaum, sie diente bestenfalls den ansässigen Hunden als willkommene Erleichterungsanstalt.
Ewig stand das Männlein in Form dieser Salzsäule inmitten der Stadt und konnte das Treiben gut beobachten. Bemerkbar jedoch, konnte es sich nicht machen, er war starr und hilflos. Es wusste weder, wie es in diese Situation geraten war, noch wie lange es jetzt hier zu stehen hatte. Wenn es müde war schlief es, wenn es wach war, beobachtete es die Geschehnisse um sich. Hunger oder Durst kannte es fortan nicht mehr.
In einem Frühling nistete sich eine Wespe an ihm ein und bildete einen winzig kleinen Staat mit nur 5 Nachkommen, in den nachfolgenden Jahren kam keine der dort geborenen Wespen mehr zurück. Tauben diente das Männlein als Rast- oder Schlafplatz. Sie dankten es ihm indem sie es entsprechend verunreinigten. Der aggressive Taubenkot fraß sich in das Innere und verursachte pochende Schmerzen. Mit den Jahren wuchs in dem Männlein die Verzweiflung und es wollte wieder es selbst sein, keinesfalls zu einer Salzsäule erstarrt. Es war eine Schuld die es in diese Situation brachte, aber es konnte sich an den Ursprung des Dilemmas nicht mehr erinnern. Mit der Verwandlung in die Salzsäule wurde auch seine Erinnerung starr und so sehr es sich auch anstrengte, es blieb erfolglos und die Vergangenheit ein für alle mal veschüttet.
Es wusste sich letztendlich keinen Rat, begann seinem Dasein etwas Sinn zu geben und jedem noch so gedankenlos vorübereilenden Passanten liebevolle Gedanken nachzusenden.
Die Liebe beschütze dich.
Das Licht sei mit dir.
Ich wünsche dir einen liebevollen Tag.
und vieles mehr ...
Es dauerte eine Zeit bis die Passanten den Platz mit ihrem auffallend gesteigerten Wohlbefinden in Zusammenhang brachten. Es dauerte noch einmal ein Weilchen, bis sie immer wieder kehrten um sich neue Energien zu holen. Und es dauerte noch ein Weilchen, bis sie die Salzsäule in der Mitte des Platzes mit ihrem wunderbaren Wohlbefinden in Verbindung brachten. Von diesem Zeitpunkt aus war es ein energetisches nehmen und geben. Das Männlein gab und erhielt in gleichem Ausmaß das Gegebene zurück. Dieser Prozess zog sich über viele Jahre.
Eines Nachts brach unvermutet die Struktur der Salzsäule auf und das Männlein war befreit, auch sein Geist wurde wieder wach und plötzlich wurde ihm bewusst, dass es in den letzten Jahrzehnten vor der Umwandlung in äußerst egoistischer Manier verlebte und es daher zur Salzsäule wurde. Erst als es sich wieder auf seine Umwelt einließ und so den Schlüssel zu seiner Errettung fand, wurde es wieder aus der Salzsäule befreit.
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