Heute war ich neuerlich in der Innenstadt im Geburtsvorbereitungskurs. Unter anderem wurden mir die ersten technisch generierten Bilder unseres gemeinsamen Kindes gezeigt. So merkwürdig das vielleicht auf den ersten Blick klingen mag, aber ich sah das Kind bisher noch nicht. Kein Ultraschallbild, nichts. Als Vater hat man dazu vielleicht auch nicht den unmittelbaren Zugang, wenn die Beteiligen es nicht wollen oder es sich aus irgendwelchen Gründen bisher nicht ergab.
Um nicht weiter zu verwirren. Es waren ausschließlich Metaphern, denen ich mich im ersten Absatz bediente. Es handelte sich um einen Besuch im Verlag und dort sah ich zum ersten Mal die für das Buch "Kraftorte in Wien" bestimmten Fotos, aufgenommen von unserem genialen Fotografen Robert Bouchal. Dem Wirbelwind von Österreich Ost. Mindestens.
Wer jemals auch nur annähernd in die Nähe einer Buchproduktion gekommen ist, wird wissen wovon ich schreibe. Das Manuskript passierte bereits das erste knallharte Lektorat, es wurde etwas mehr Text da und dort nachgeliefert, um zuvor passierte Streichungen neuerlich zu befüllen. Erklärungen wurden ergänzt, wo dem Autor etwas zu selbstverständlich schien. Überschriften im Akkord produziert und so weiter. Ein Buch zu schreiben ist harte Arbeit mit verhältnismäßig wenig Ertrag. Das wissen die Verlage, das wissen die Autoren und Fotografen und doch erscheinen jährlich weltweit über 90.000 neue Bücher. Ist es die Eitelkeit die den Jahrmarkt in Bewegung hält oder ist es der Glaube an eine eventuell abzuerntende Umwegrentabilität? Man weiß es nicht. Die Verlage, deren Glaube an eine gute Zukunft durch unverkäufliche Ladenhüter belastet werden, verabschieden sich nach der Reihe von der Bühne des bedruckten Papiers. Die anderen kopieren immer wieder ihre eigenen Erfolge und die der anderen, schlingern solcherart durch den Ozean oder um realistisch zu bleiben, doch eher durch den Teich der Leserschaft.
Der Erfolgsdruck ist enorm, der Schreibdruck sowieso.
Neben den vielen kraftvollen Bildern von Robert Bouchal sah ich heute die ersten "Fahnen", das sind die unbeschnittenen und ungebundenen Buchseiten. Der Text ist bereits im vorgesehenen Layout, die meisten Bilder ebenso. Mit den Fahnen erheischen die Beteiligten den ersten Blick auf das ungeborene Kind. Es waren allerdings nicht alle Elternteile anwesend. Helene Skoric und Alois Mader, das routinierte und vorbildhafte Rutengeher-Team oder meine humanoide, gnadenlose Korrekturlesemaschine Matthias.
Ein wenig muss das Projekt noch ausgetragen werden. Da und dort fehlt es an Vollendung, aber es strampelt bereits recht heftig und lässt hoffnungsvoll in die Zukunft blicken.
Selbstverständlich wird an diesem Ort von der Niederkunft des Kindlein berichtet.
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