Vor kurzem war ich zu einem rauschenden Verlagsfest des von mir sehr geschätzten Christian Brandstätter Verlages eingeladen. Christian Brandstätter, der Hausherr, hielt eine kurze, bedächtige Ansprache, begrüßte den einen oder anderen besonderen Gast und kündigte für später das nochmalige Erscheinen von Irenäus Eibl-Eibesfeldt an.
Und damit war es um mich geschehen. Ein immenser Flashback erfasste mich und ich befand mich augenblicklich inmitten meiner Kindheit, sah diverse Fernsehdokumentationen gleichzeitig vor meinem aufgeregten geistigen Auge ablaufen und meinen alten Bekannten Irenäus einmal in Badehose, einmal mit und ohne Hut, einmal mit einer Tigerpython balgen und vieles mehr. Irenäus und ich kennen einander schon sehr lange. Es müssen geschätzte 35 Jahre sein.
Damals blickte ich zu ihm auf und dachte mir, so will ich auch einmal sein. Mutig, wissend, kalkuliert draufgängerisch, gutaussehend. Es gibt wenige Helden meiner Kindheit die es verstehen, mich noch immer nachhaltig in Begeisterung zu versetzten, Irenäus Eibl-Eibesfeldt ist so jemand.
Und dann kam er in den Verlag. Dichtes weißes Haar, ein roter Schal lässig um den Hals geworfen, sein Auftreten ist beeindruckend. Ich spreche ihn natürlich sofort an um wenig später zu bemerken, dass der Geräuschpegel der Veranstaltung zu hoch und sein Gehör zu schlecht war um alles zu verstehen. Ich reduzierte meinen über mich kommenden Redeschwall auf das Wesentlichste und wiederholte meinen Lobgesang. Irenäus tat geschmeichelt um festzustellen, dass er zu Mittag nur eine Banane gegessen hatte und daher wahnsinnig hungrig sei. Und fort war er.
Ich hegte alsbald den Verdacht, dass er sich über unser Wiedersehen, nach so langer Zeit, wesentlich weniger erregte als ich es tat. Später hatte ich noch einmal Kontakt zu ihm und gab eine Schnurre zum besten, die mir unlängst ein guter Bekannter von ihm erzählte, der Direktor des Naturhistorischen Museums, Bernd Lötsch. (beide sind übrigens Konrad Lorenz Schüler)
Die Schnurre
Konrad Lorenz wurde von einem Journalisten gefragt ob er zu Martini eigentlich Gänse isst. Und Lorenz meinte: "Wenn ich mit der Dame nicht persönlich bekannt war, pflege ich durchaus Gänse zu essen!"
Diese Schnurre fand ich gut und wollte sie Irenäus nicht vorenthalten. Sie gefiel ihm.
Übrigens mein Standpunkt ihm gegenüber verschob sich nur unwesentlich, auch heute versetzt er mich noch immer nachhaltig in Begeisterung, denn so möchte ich mit 80 Jahren auch mal auftreten. Der Mann ist tatsächlich ein angenehmes Phänomen.
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