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Von Brieffreunden und anderem E-Mail

aboutpixel_de_goenz_postkasse.jpgNeulich stellten wir uns die bedeutende Frage: "Gibt es noch traditionelle Brieffreundschaften?" Handgeschriebene Briefe, mit einer Briefmarke versehen, im Postkasten versenkt oder einem missmutigen Beamten im Postamt übergeben. Einige Tage des Transports, und so weiter.

Im Büro fällt es heutzutage bereits auf, wenn so richtige Briefe kommen. Briefe entwickeln sich wieder zur gewichtigen Alternative von auffälligen Mails. Vor allem wenn es auch noch wirklich schöne Kuverts sind. Briefe liegen am Schreibtisch und können nicht mit einem Klick verschoben werden, also machen sie neugierig und wollen in der Regel geöffnet werden.

Aber so richtige Brieffreundschaften, gibt es die noch? Von Gertrude Schreyvogel schrieb ich bereits. Sie könnte ich als einseitige Brieffreundin bezeichnen. Sie schickt mir gelegentlich mit der guten alten Post Handgeschriebenes mit vielen großzügig angelegten Kringeln und Schlingen. Schwer zu lesen, aber sehr hübsch anzusehen. Und so ausgeglichen regelmäßig. Wirklich bewunderswert. Ein Poststück von ihr kickt meinerseits einen Anruf an. Insoferne bezeichne ich unseren Kontakt als einseitige Brieffreundschaft. Davon abgesehen geht unsere Kommunikation sowieso nicht so weit, dass man sie als eine tiefgreifende Brieffreundschaft bezeichnen könnte.

Als ich als kleiner Junge bei einem Treffen der Katholischen Jungschar in Wien war, lernte ich Silvia aus Vorarlberg kennen. In Erinnerung habe ich eine Silvia Mäder, aber ich denke der Ort in dem sie lebte, der hieß Mäder. Aber so genau weiß ich es leider nicht mehr. Sie war meine erste und an und für sich einzige klassische Brieffreundin. Das war noch so mit Marke und Brief und Freude beim Öffnen des Kuverts und so weiter. Einmal bekam ich von ihr eine Ansichtskarte vom Flughafen Kloten. Der Kontakt schlief ein. Sie ist mittlerweile sicher Mutter vieler Kinder und hat mich vermutlich längst vergessen. Komisch, dass sie mir noch als Brieffreundin einfällt.

Zähle ich Mails als Brieffreundschaften, dann gäbe es da doch einige. Aber sie sind eben nicht traditionell. Einer meiner Freunde, interessanterweise sitzt er auch in Wien, weiß ganz genau das wievielte Mail wir gerade austauschen. Es sind bereits einige Tausend. Und das sind keine zweizeilige Mails, sondern in der Regel ernstzunehmende, mitunter tiefgründigere Mails. Also eine moderne Brieffreundschaft. Dann gibt es noch wesentlich tiefgründigere Mails mit einem Freund der sich der Theologie verschrieben hat. Wobei zugegeben, ich bilde sehr oft den breiten Ausgleich zur Dissertation und dann wird es weniger tiefgründig. Er meinte kürzlich, dass er eventuell in einem Jahr ein Noviziat antrete und dann vielleicht eine Zeit lang nicht mehr so frei von der Leber weg mailen könne. Ich schlug ihm vor auf gewöhnliche Briefe umzusteigen und versicherte ihm, dass mir dieser Umstieg nichts ausmachen würde. Tut er auch nicht, ich sehe diesem nostalgischen Umstieg mit Neugier entgegen. Nur eines mache ich ganz sicher nicht, ich werde meine Post nie und nimmer handschriftlich verfassen, denn meine Handschrift kenne ich. Ich habe das Gefühl, um beim Thema zu bleiben, es wurde von ganz oben gesteuert, dass ich beinahe pausenlos eine Tastatur vor mir stehen habe. Das hat Sinn und damit lässt sich wahrlich druckreif schreiben. - Zumindest was die Optik anbelangt.