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Wir schwingen uns auf unsere Drahtesel, fahren wild mit den Autos oder rennen zu Fuß - aber auf alle Fälle mit bunten Fahnen. In den vergangenen Tagen mit Verstärkung am Tag des Matches Türkei : Kroatien wird es einem bewusst wie ignorant man bisher selbst mit der eigenen Fahne umgegangen ist.
Die heißen Südländer zeigen es einem live. Man holt seine Fahnen vom Dachboden, unter dem Bett hervor, aus dem Schrank oder einfach nur von der Wand. Griffbereit ist sie allemal, rennt laut schreiend durch die Stadt und ruft lauthals aufstachelnde Parolen des Fußballs.
Wir werden siegen.
Wir sind die Star-Mannschaft.
Wir sind die Fußballgötter der EURO.
Und die anderen stehen am Straßenrand, schauen dem hupenden Tross ungläubig nach, schütteln den Kopf um den begonnenen Weg wieder aufzugreifen. "Fußball-Narren" werden sie sich denken und erst Recht das Fernsehen nicht mehr einschalten.
20.000 Kroaten und 40.000 Türken zeigen in Wien dem lahmen Rest "Wo der Bartl den Most holt." So kann gefeiert werden und das ist eben pure Lebensfreude. Wie sagte ein junger Mann so treffend: "Wir haben eben Emotionen und die müssen hinaus." Wie wahr, sonst würden sie ja ersticken oder platzen - oder beides.
Bereits am Nachmittag hupen die Emotionen durch die inneren Bezirke Wiens. Am Ende wird weiter gehupt und den während des Spiels gefährlich aufgestauten Gefühlen freien Lauf gelassen. Die Hubschrauber der Polizei feiern mit und der ganze emotionale Wahnsinnskessel wird bis sehr weit nach Mitternacht ordentlich laut geschlagen. So laut, dass es einem Mieter einer viel zu teuren Innenstadtwohnung schwer fällt zu schlafen. Muss man sich mit ihnen freuen oder reicht es doch sich eine Portion Watte ins Gehirn zu stopfen um von dieser Welt für heute nichts mehr zu hören?
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