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Sinkende Häuser E-Mail

photocase_de_pyrogenum_588794962.jpgEin ehemals liebster Kollege, heute Ex-Kollege und Freund, sieht sich mit einem, seinem sinkenden Haus konfrontiert. Es steht am Lande, in der Nähe der Donau, die keineswegs am stetigen Schrumpfprozess Schuld trägt. Nein, das Haus ist nicht auf Sand gebaut und wenn, dann maximal verankert. Der Grund, dass es doch stetig sinkt ist ein anderer.

So wie andere Menschen Läuse, Flöhe oder sonstiges Getier haben, hat dieser Mensch eben Maulwürfe. Er geht davon aus, dass es nur einer wäre, sieht man jedoch die Verwerfungen im Garten und die zunehmende, bedrohliche Schieflage des Hauses, dann kommen mir ganze Armeen von den Hausgräbern in den Sinn. Putzige Tierchen, aber nicht auf diesem Grund. Partybesucher sinken bis zu den Knien in den Boden ein. Wo vor wenigen Minuten noch ein Stuhl stand mit einem weiteren Besucher darauf, dort klafft ein 1 Meter mal 1 Meter großes Loch. Mit Mühe gelingt es uns den Gast wieder nach oben zu ziehen bevor er vielleicht noch in der Speisekammer dieser Gesellen landet. Fachmännisch mit abgebissenen Kopf, damit er länger frisch bleibt, aber tunlichst nicht mehr nach oben finden mag.

Dieser Mann ist ehrlich verzweifelt und seine Frau mit ihm. Längst wurde der Fernseher mit einer Holzleiste fixiert, damit er nicht vom Kasten rutsch. Wird Suppe kredenzt, dann befindet sich der Teller auf einem schrägen Holzkeil der raffiniert die Maulwurfschräge ausgleicht. Einzig die Dusche ist noch ein Problem, denn hier rinnt mehr Wasser auf die Duschwand als auf den Körper, doch auch dieses Problem soll bald gelöst sein.

Eine Armada an Kammerjägern aus halb Österreich war bereits im Garten und versuchte das Getier einzufangen. Selbst ein dressierter Maulwurf kam zum Einsatz, der in Revierstreitigkeiten allen Anwesenden den Garten verbieten hätte sollen. Aus Fehlern lernt man, in diesem Fall hätte man die gleiche Anzahl an dressierten Maulwürfen gebraucht, um eventuell in die Nähe eines Erfolges zu kommen. Dieser kam mit weißer Flagge aus dem eigens für ihn konstruierten Eingang und wollte von der Sache nichts mehr wissen. Er zeigte nur immer wieder stumm mit seiner Pratze auf seine Herzgegend.

Wir, die wir von diesem Problem wissen, haben bis zum heutigen Tage keine Lösung gefunden. Das Haus wird noch schiefer, die Keile unter den Tellern noch höher. Längst wurde das Haus wie der Turm von Pisa an mächtigen Stahlseilen befestigt, damit es nicht gänzlich kippt - und der Garten sieht bereits aus wie eine Mondlandschaft von mächtigen vom Wege abgekommenen Asteroiden entstellt.