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Verzauberte Malerin E-Mail

maria_lahr_abril_98_ibiza_l__leinen_original_70_x_100_cm.jpgSie ist eine gutaussehende Frau, die, wenn sie einen Raum betritt, unweigerlich begehrliche männliche, wie weibliche Blicke auf sich zieht. Eine interessante Mischung aus Abstand schaffender Aura und gleichzeitig unheimlich starker Anziehungskraft, eine ein wenig in die Jahre gekommene Künstlerin, der man heute ansieht, dass sie einmal, in jungen Jahren, ein heißer, alles beherrschender Feger gewesen sein muss.

Vermutlich ist es Teil des Image einer Künstlerin, sich mindestens bisexuell zu geben und darüber in bunten Magazinen ausführlich schreiben zu lassen. Zu diversen Homestories gehört dann auch ein Foto meines Lieblingsobjektes, es ist ein Tisch der eine ihrer ehemaligen Musen darstellt. Ein nacktes, erotisch aufreizendes, auf der Erde knieendes Mädchen mit einer Glasplatte am Rücken. Das Objekt steht in ihrem Haus auf Eivissa, wie Ibiza auf katalanisch genannt wird. Dort keltert sie mitunter Wein und ärgert sich ein wenig über die wilde Olive die zum Genuss überhaupt nicht geeignet ist, weil so gut wie ohne Fleisch. Dort sitzt sie am Strand und macht Kunst, dort werden ihr vor der Nase Fischerboote entführt, die sie gerade noch malerisch festhalten wollte. Und dort kommt es gelegentlich vor, dass sie dann von einem der Fischer zum Essen eingeladen wird, gleich am Strand, ohne großem Aufwand, aber anschließend mit vielen Küssen zur Belohnung. Es ist auch ein guter Teil ihrer Persönlichkeit unumwunden von Erlebnissen dieser Art zu sprechen. Sie spielt mit ihrer Erotik, wie andere mit  ihrer Zigarettenpackung. Dabei sieht sie ihr Publikum an, denn um ein solches handelt es sich immer, selbst wenn es ein Event ist, der sie nicht zum Mittelpunkt hat, sie versteht es im Handumdrehen sich in diesen zu stellen, wirkt dabei gänzlich unbemüht und unaufdringlich. Es passiert wie zufällig, ihr Publikum lässt es geschehen, klebt an ihren Lippen und lauscht begierig ihren erotischen Ausführungen und sie registriert aufmerksam jede Regung ihrer Zuhörer. Sie ist Eros pur, selbst, wenn sie die Telefonnummern der Bundeshauptstadt Wien vorlesen würde, würde man ihr vermutlich für viele Minuten an den Lippen hängen und sich geistig mit ihr vereinen.

Wenn man sie im Verlauf eines Events beobachtet, dann ist durchaus zu bemerken wie sehr sie auch Kontakterin und Verkäuferin ist. Kunst gehört verkauft um davon zu leben. Wie eine wilde Katze schleicht sie zwischen den Menschen umher, beobachtet, bemerkt und steuert gezielt auf nächste Gesprächspartner zu um sie augenblicklich in ihren Bann zu ziehen. Ihre Ausstrahlung ist phänomenal und besitzergreifend.

Maria Lahr ist mit Abstand eine der öffentlichsten und zugleich geheimnisvollsten Malerinnen des Landes, von der man sich durchaus wünscht mehr zu sehen. Es stellt sich mir nur soeben die Frage, wieso ist selbst die Malerei in Österreich so sehr in Händen des männlichen Geschlechts? Nicht einmal in diesem Bereich ist es den Frauen gelungen Macho-Österreich aufzubrechen, um die ihnen zustehenden Positionen zu beziehen.